Den 12^^ten^^ Jun. 1725.
Nachmittag um 3 Uhr brachten der Herr Graf von Henckel
mich u. m. Frau u. die Frau Löscherin von Gera in
Dero Kutsche zu der 81 Jährigen Person, Namens Maria
Lippeltin zu Korbsen. Wir wusten zwar den Namen
dieser Dorffs, doch war der Weg nicht weiter dem Kutscher
eigentlich bekannt als bis Möckern //Naundorf//. Deswegen hielten wir
zu Möckern //Naundorf// stille, u. wolten weiter nach den Wege
fragen Da wir nun an der Seiten, da man fragen
konnte die Kutsche öffneten, stund die Sybilla Merten,
die uns ge eben diejenige war, die uns gedachte
alte Person bekannt gemacht, gleich als wenn sie
mit Fleiß dahin bestellet wäre, oder es doch sonst
gewußt hätte, daß wir dahin kommen würden.
Es ist dieses eine wohlhabende Bauers-Frau in Möckern,
welche hier //in Nauendorf// bey ihrem //einem// Hause stand, und eben ein
Gefäß in der Hand hatte, um aus dem Brau-haus
Kovent zu holen. Sie verwunderte sich, u. war
voller Freuden daß Sie uns sahe, u. wir ver-
wunderten uns auch, sie so just a propos vor
uns zu sehen, daß wir uns dabey erinnerten,
was Marc. 14, 13 stehet. Es wird euch ein Mensch begegnen
der träget einen Krug mit Waßer, folget ihm nach p.
Diese bezeichnete uns nun das Haus zu Korbsen,
daß wir nicht fehlen konnten. Wir funden denn da die ge-
dachte alte Person, ein kleines, sonst am Stocke gehendes
Mensch, der man ihr Alter ziemlich ansieht. Sie saß hinter
dem Tisch und las in einem Buche. Der Herr Graf u. wir