Schriften zur Dänisch-Halleschen Mission

Die im Jahr 1706 begründete Dänisch-Hallesche Mission ist die erste organisierte Missionsunternehmung in der protestantischen Kirchengeschichte. Am 6. Juni 1706 trafen die Theologen Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719) und Heinrich Plütschau (1677–1747) nach einer mehr als halbjährigen Schiffsfahrt in Tranquebar, dem Zentrum der dänischen Kolonien in Südostindien, ein und begründeten damit einen bis ins 19. Jahrhundert reichenden interkulturellen Dialog zwischen den europäischen Trägern der ersten protestantischen Mission in Kopenhagen, Halle und London und den Bewohnern auf dem Gebiet des südindischen Königreichs Tanjore. Da das Missionsunternehmen von der dänischen Krone getragen, von den durch den Pastor und Theologieprofessor August Hermann Francke (1663–1727) begründeten, später nach ihm benannten pädagogischen und sozialen Einrichten in Halle betreut und von der Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK) in London gefördert wurde, wird die Mission in Tranquebar als Dänisch-Hallesche Mission oder – in der neueren Forschung – Dänisch-Englisch-Hallesche Mission bezeichnet.
Ihre umfangreichen schriftlichen Überlieferungen sind für weltweite Forschungsinteressen zum 18. und frühen 19. Jahrhunderts von einzigartiger Bedeutung. Der größte Teil der Quellen zu dieser Thematik wird im Archiv und in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen aufbewahrt.
Auf dieser Website werden Ihnen einige Drucke, die im Rahmen der Dänisch-Halleschen Mission entstanden sind, digital präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die sog. Halleschen Berichte, die erste protestantische Missionszeitschrift, die von den Direktoren der Franckeschen Stiftungen von 1720 bis 1772 in 108 Fortsetzungen herausgegeben wurde und beachtliche Auflagenhöhen erreichte.

Die Halleschen Berichte

Die Briefe, Diarien und Nachrichten, die die Missionare von Südostindien nach Halle sandten, wurden dort redigiert und in dem seit 1710 erschienenen Periodikum Der Königl. Dänischen Missionarien aus Ost-Indien eingesandter Ausführlichen Berichten, den sog. Halleschen Berichten, im Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses publiziert und damit einem interessierten europäischem Publikum zugänglich gemacht. Die Halleschen Berichte, die von den jeweiligen Direktoren der Franckeschen Stiftungen halbjährlich herausgegeben wurden, beinhalteten Tagebücher, Briefe, Reisediarien, Abhandlungen, statistische Berichte und Nachrufe und waren damit nicht nur der wichtigste Informationsträger über die Dänisch-Hallesche Mission, sondern auch das probate Propagandamittel, um Spenden für die Mission einzuwerben und ein Netzwerk von Sponsoren aufzubauen. Der Kreis der Abonnenten ging weit über das protestantische Deutschland hinaus bis nach Russland, Finnland, Livland, Nordböhmen, Dänemark, den Niederlanden, England, Italien und Österreich. Die Auflagenhöhe war vergleichsweise hoch: 600 Exemplare sind für 1730, 4.800 Exemplare für 1770/1771 nachweisbar. Kein zeitgenössisches Medium dürfte so einen großen Einfluss auf das Indienbild der Europäer gehabt haben wie diese erste protestantische Missionszeitschrift: Sie informierte nicht nur über das Missionsgeschehen, sondern auch in enzyklopädischer Breite über die Kultur und Gesellschaft, die Religionen und die Bräuche, die Flora und Fauna Südostindiens. Übersetzungen einzelner Missionsberichte und von Werken der Missionare, besonders ins Englische, Französische und Niederländische, sowie Überblickswerke zur Geschichte der Dänisch-Halleschen Mission trugen darüber hinaus zur Erweiterung des Leserkreises bei.

Erschließung der Halleschen Berichte

Die Halleschen Berichte sind 2004 vollständig digitalisiert worden. Um den Zugang zu den verschiedenen Zeitschriftenartikeln zu erleichtern, wurden alle Einzelbeiträge der 108 Continuationen in einer Datenbank in Vorlageform erschlossen. Über eine einfache oder kombinierte Suche ist so der Zugriff auf die insgesamt 1.727 Briefe, Tagebücher, Berichte und Abhandlungen, aber auch auf die 47 Abbildungen möglich. Von den Einzelbeschreibungen führen Links zu den Beschreibungen der Handschriften, die den Drucken zugrunde liegen und die im Archiv der Franckeschen Stiftungen aufbewahrt werden, wo sie in einer Datenbank erschlossen wurden. Auf diese Weise wird ein direkter Vergleich zwischen Druck und handschriftlicher Quelle ermöglicht.
Wenn Sie Fragen zu den Schriften zur Dänisch-Halleschen Mission haben, dann wenden Sie sich bitte an die Leiterin des Studienzentrums August Hermann Francke, Frau Dr. Britta Klosterberg: klosterberg@francke-halle.de