Nr. 9 A.H. Francke an Ph.J. Spener 4. 10. 1690

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schafft auffgenommen ist, auch bey Herrn Adam Dreßen 7 und seiner famille nicht ohne dem Seegen des Herrn geschiehet [sie!] 8 . Der Herr hat große 20 Gnade an dem lieben Menschen 9 gethan, und möchte seine Gabe auch der vermuthlich bald zurückkommenden Fürstin 10 sehr wol zu statten kommen. Alliier ist Seegen genug und scheinet doch daß der Herr das meiste für unsern äugen verberge.

Das übrige wird aus meinem jüngsten Schreiben, welches vor etlichen tagen 25 fortgesandt 11 , verstanden seyn. Noch dieses berichte, daß an die Gn[ädige] Gräffin von Stolbferg] 12 geschrieben und eine predfigt] von der Verleugnung an sie gesandt 13 nach Leipzig, so sie noch in Dreß[d]en ist, bitte Ihr solches berichten zu lassen nechst meinem unterthänigen Gruß. Der Gn[ädigen] Gräffin von Callenberg 14 habe versprochen, Herrn Elers zu rathen wieder 30 nach Moßkau 15 zu kommen, welches ich auch gethan, der Herr aber wird zeigen ob er es bey obenerwehnten Umständen thun könne. Der hand des Herrn empfholen. Verharre

Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn

M. Aug[ust] Hermann Francke. 35

Dem Hochwürdigen, in Gott andächtigen, und Hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern der H. Schfrifft] D. und I. Churfürstlichen Durch­laucht zu Sachs [en] OberHoffprediger, und beichtvater, wie auch des Ober- Consistorii Assessori und Kirchen Rath pp. In Dreßden.

Par amy 16 40

patrologicus, Jena 1673). Er stand spätestens seit 1675 (vgl. Spener, Frankfurter Briefe 2, Nr. 149), vermutlich schon seit seiner Straßburger Studienzeit, mit Spener in Kontakt.

7 AdamDrese (um 1620-15.2.1701), geb. wohl in Thüringen; 1637-1646 Kolkborator, 1643 zudem Domkapellangehöriger in Merseburg, vor 1652 Studium der Komposition in Warschau; um 1652 Kapellmeister in Weimar am Hof Herzog Wilhelms IV. von Sachsen-Weimar, um 1662 Kapellmeister und Kammersekretär am Hof in Jena, 1669 zudem Amtsverwalter von Jena und Burgau; um 1683 Kapellmeister und Kammersekretär am Hof Anton Günthers von Schwarz­burg-Sondershausen in Arnstadt (DBA 252, 49-61; ADB 5, 397; NDB 4, llOf; Zedier 7, 1424; MGG 3, 795-798; BBKL 1, 1379). - Drese, ein bedeutender Thüringer Musiker, führte in seinem Haus in Arnstadt erbauliche Versammlungen durch. Spener verfaßte die Vorrede zu seinem 1689 in Jena erschienenen BüchleinUnbetrügliche Prüfung des wahren, lebendigen und see- ligmachenden Glaubens" (Grünberg Nr. 249).

8 Vgl. den nicht datierten, offenbar von Elers verfaßten Bericht über Adam Drese und dessen Familie im AFSt/H (D 88: 15).

' Heinrich Julius Elers (s. Anm. 5).

10 Auguste Dorothea, Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen, die offenbar erst jetzt von ihrer im Juli angetretenen Reise nach Holland zurückerwartet wurde (s. Brief Nr. 7, Z. 77 und Anm. 43).

11 Nicht überliefert.

12 Wohl Sophie Eleonore von Stolberg-Stolberg (s. Brief Nr. 5, Anm. 5).

13 Brief und Predigt sind nicht bekannt.

14 Ursula Regina von Callenberg (s. Brief Nr. 3, Anm. 8).

15 Muskau in der Lausitz.

16 Der Überbringer des Briefes wurde nicht ermittelt.