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Nr. 15 AM. Francke an Ph.J. Spener 109.(?) i. 16921
Rescript nieine remotion betrefFent 11 , welches hier in einem Schreiben fürgefunden. Herr M. Wiegeleb 12 ist hier bey uns, grüßet hertzlich, wil sich dran machen imaginem Pietismi zu refutiren. Ich bitte aber es auch Herrn D. Breithaupten 14 zu committiren, er wirds dann desto lieber thun, kann es 15 doch verschwiegen bleiben, und aus beyden eins gemachet werden. 15 Emp- fhele hiemit meinen theuresten Vater der Gnade Gottes und verharre nebst begrüßung dero Gehülffin' 6 und gantzen hauses
Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn
M. Aug[ust] Hermann Francke.
2o Von der Rosemunda 17 haben wir hier wider 2 bezeugungen vom Monat December 18 von nachdruck bekommen, so copia begehret wird wil sie übersenden.
10 Catharina Reinecke aus Halberstadt, Magd im Haus des Oberkommissars Prätorius. Sie hatte seit 1691 ekstatische Erlebnisse (Witt, 34£F u.ö.; Schulz, 54. 85. 87). Reinecke ist eine der Magde, von denen die Eigentliche Nachricht von dreyen begeisterten Mägden/ [...], o.O. 1692 (s. Brief Nr. 38, Anm. 42) handelt. — Schreiber berichtet, daß Reinecke am dritten Weihnachtsfeiertag in der Kirche in Ekstase gefallen war und hinausgetragen werden mußte (AFSt/H D 68: 223 |K]; vgl. Khambr, Beiträge, 164f; das Originalschreiben ist nicht überliefert).
11 Das Reskript des Mainzer Kurfürsten wegen der Remotion Franckes aus Erfurt datiert vom 2./12. September 1691 und war Francke nach Halle durch den Kammersekretär Sierling gesandt worden (vgl. Khamer, Beiträge, 143 [Auszüge]. 166).
12 Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15). Er hielt sich bei Franckes Ankunft in Halle auf (vgl. Kramer, Beiträge, 166).
13 [Albrecht Christian Rotth], Imago Pietismi, hoc est, Brevis delineatio abusuum & erro- rum, qui Pietismum, barbare quidem, sed fortassis jure sie dictum, constituere dicuntur: [...], o.O. 1691. - Rotth, Archidiakon an der Ulrichskirche in Halle (s. Brief Nr. 36, Anm. 12), griff in der anonym herausgegebenen Schrift die Collegia pietatis und Lehren wie falschen Perfektionismus, Chiliasmus, Glaube an unmittelbare Offenbarungen und Verachtung der Gelehrsamkeit an (Kramer 1, 109; Wallmann, Pietismus, 66f; Giere, 202-205 u.ö.).
14 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
15 Tatsächlich flössen die Widerlegungen durch Wiegleb und Breithaupt offenbar in die von Seckendorf herausgegebene Refutation der Imago Pietismi, zu der Spener die Vorrede schrieb, als Vorarbeiten ein (s. Briefe Nr. 18, Z. 35-40 und Nr. 19, Z. 4-6).
16 Susanne Spener, geb. Ehrhardt (8.1.1644—5.11.1705), Tochter des Straßburger Patriziers Johannjacob Ehrhardt; Heirat mit Ph.J. Spener am 23.6.1664 (Wallmann, 181f; Grünberg 1, 377f; LP von Conrad Gottfried Blanckenberg, Der Glaubigen Pilgrimschafft, in: Ph.J.Spener Christlicher Leich=Predigten Dreyzehende und letzte Abtheilung, Frankfurt a.M. 1707, 231—276).
17 Rosamunde Juliane von der Asseburg (1672—8.11.1712), geb. in Eggenstedt bei Oschers- leben, in den 80er Jahren Umzug nach Magdeburg, hatte schon als Kind Christusvisionen; 1690 Bekanntschaft mit den Petersens (s. Briefe Nr. 7, Anm. 46 und Nr. 17, Anm. 33), die ihre Visionen in den folgenden Jahren als göttliche Offenbarungen bekannt machten; 1691 Ubersiedlung zu den Petersens nach Lüneburg und Aufenthalt in Lübeck, 1692 nach Petersens Absetzung Aufenthalte in Berlin bei dem Ehepaar Magdalene Sybille und Georg Rudolph von Schweinitz (s. Briefe Nr. 37, Anm. 7 und Nr. 30, Anm. 5) und bei Sophie Eleonore von Stolberg-Stolberg (?) (s. Brief Nr. 5, Anm. 5), Wohnsitz bei Maria Sophie von Reichenbach (s. Brief Nr. 16, Anm. 22) in Jahnishausen/Sachsen (DBA 37, 146-153; M. Trippenbach, Rosamunde Juliane von der Asseburg. Die Prophetin und Heilige des Pietismus, Sangerhausen 1914; Matthias, 254—301).
18 Die Bezeugungen der Asseburg stammen vom 9. (?) und 20. (?) Dezember 1691 (Kramer, Beiträge, 168; Matthias, 256 mit Verweis auf SUB Hamburg Cod. theol. 1234, p. 88-94).