78

Nr. 19 A.H. Francke an Ph.J. Spener 30. 1. 1692

an sfeinen] Herrn Vater 6 , der sich gern von den Erffjurter] Sachen um des 15 instehenden landtages 7 willen beßer informiren wolte.

Ich habe am Sontage die Probepredigt abgeleget, und hat auch sofort die Gemeine einstimmig auff mich votiret. 8 Man trainirt aber die installirung, und vernehme ich M. Richter 9 habe von Berlin erhalten, die installation solle differiret werden biß zu außtrag seiner Sache. 10 Die widerwärtigen werden 20 wol sehr darüber frolocken, wenn sichs also verhält, daß man sie von Berlin gleichsam secundiret. Ich an meinem Ort wolte mich auch gern mit der Pro­fession 11 genügen laßen, wenn ich nur erst wüste woran ich wäre, denn ich noch als hospes in allen hier lebe. Gott mache es nach seinem wolgefallen, wenn nur sein Name verherrlichet wird. Dessen Gnade meinen theuresten 25 Vater empfhele, und verharre Dessen Gehorsamer Sohn M. Augustus Hermann Francke.

Herr M. Schade 12 könte die narrationem 13 durchsehen und sie suppliren. Ich sende alle meine Acta Erffurtensia 14 , sie möchten etwa ad scopum dienen.

29 etwa ] -D.

6 Johannes Olearius (5.5.1639-6.8.1713), geb. in Halle; Studium in Leipzig (1660 Magister), Wittenberg und Jena; 1663 Assessor der philos. Fakultät Leipzig, 1664 Prof. der griechischen und lateinischen Sprache, 1666 Kollegiat im großen Fürstenkollegium, 1668 Lic. theol., seit 1677 Prof. theol. ebd.; seit 1683 zudem Canonicus in Zeitz und Ephorus der kurfürstlichen Stipendiaten (DBA 916, 145-189; ADB 24, 280; RGG 4 6, 548f; Jöcher 3, 1053f; Leube, 168. 194. 218 u.ö.; Matrikel Leipzig, 318).

7 S. Brief Nr. 18, Anm. 15.

8 Francke hatte die Probepredigt in Glaucha am 24.1.1692 gehalten (s. Brief Nr. 16, Anm. 9).

9 Johann Richter (s. Brief Nr. 13, Anm. 6).

10 Vgl. Brief Nr. 16, Z. 37-40 und Anm. 9. Ein entsprechendes Antwortschreiben des Kurfür­sten an Richter ist nicht nachweisbar.

11 Professur für griechische und orientalische Sprachen (s. Brief Nr. 20, Anm. 2).

12 Johann Caspar Schade (13.1.1666-25.7.1698), geb. in Kühndorf im Hennebergischen; 1685 Studium in Leipzig (1687 Magister in Wittenberg), Anhänger der Leipziger Bewegung um Francke; 1691 Diakon an St. Nikolai in Berlin, wo er 1696 den Berliner Beichtstuhlstreit auslöste; Verfasser zahlreicher erbaulicher Schriften (DBA 1085, 181-204; ADB 37, 319; Jöcher 4, 207f; RGG 4 7, 856; Grünberg 1, 329-336; Matrikel Leipzig, 380; vgl. Brief Nr. 118, Anm. 3).

13 S. Anm. 3.

14 S. Brief Nr. 39, Anm. 21.