Nr. 29 A.H. Bremcke an Ph.J. Spenet 9. 7. 1692
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sind aber dabey getrost und stille. An dem jungen Gloxin 16 , an dem man 40 sonst fast desperiret, hat Gott auch hieselbst große Gnade erzeiget, daß ich hoffe der Herr werde ihn wohl auff ebener bahn so lange er lebet erhalten, est destinatus Patronus stipendiis Schabbeliani 17 . Solches wird bey vielen große Überzeugung in Gotha und Lübeck geben. Ein mehrers vergönnet jetzo die zeit nicht. 45
Der Herr von Berg 18 ist diese woche hierdurch passiret mit einem comite aus Holland, instruetus ut intellexi, attestatis suis. 19 Was Herr Lange hierzu sage, weiß ich nicht 20 . Ich erwarte mit verlangen dero wehrtes. Zweiffeie auch nicht causa mea iustissima et planissima werde Herrn von Meinders 21 wol recommendiret seyn. 22 50
Der Gnade Gottes empfholen. Verharre
Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn
M. Augustus Hermann Francke.
Glauche an Halle den 9. Jul. 1692.
16 Wohl David Gloxin (gest. 25.4.1698), geb. in Lübeck, der 1693 in Halle und 1694 in Rostock studierte, im März 1698 in Rostock eine juristische Disputation hielt und kurz darauf starb (Matrikel Halle, 175; Matrikel Rostock 3, 319; D. Gloxin, Disputatio juridica de Praeferentia matrimonii in coneursu duorum [...], Rostock 1698; Wotschke, Debora, 273, Anm. 2; Stammtafel Balthasar Gloxin, AFSt/H A 136: 113; David Gloxin an Francke, 11.9.1693, AFSt/H C 15: 2).
17 Das Schabbelsche Familienstipendium war 1637 von dem Hamburger Kaufmann Heinrich Schabbel gestiftet worden. Eingerichtet nach Vorschlägen von Nikolaus Hunnius, sollte es jeweils vier Theologiestudenten zugute kommen, von denen man eine spätere Bewährung in leitenden Kirchenämtern, Bekämpfung falscher Lehre und einen frommen Lebenswandel erwartete. Empfänger dieses Stipendiums waren beispielsweise auch Christian Kortholt, Caspar Hermann Sandhagen, Johann Wilhelm Petersen und Francke selbst gewesen (Sellschopp, Francke [s. Brief Nr. 7, Anm. 3]; Matthias, 37f).
18 Heinrich Albert von Berg auf Friedrichsberg oder Alberti nannte sich ein Mann, der eigentlich Heinrich Wedda hieß. Er hielt sich im Frühjahr 1692 bei Johann Wilhelm und Johanna Eleonora Petersen (s. Brief Nr. 7, Anm. 46 und Nr. 17, Anm. 33) in Niederndodeleben bei Magdeburg auf und gab sich als frommer Mann aus. Sein Ansinnen, Helena Lukretia, die Schwester Rosamunde Juhanes von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17), zu heiraten, unterstützte letztere durch eine (angebliche) Offenbarung; die Ehe wurde am 28.4.1692 geschlossen und 1696 annulliert. Nach Ritschis Darstellung hatte Nikolaus Lange (s. Brief Nr. 7, Anm. 12) Wedda schon 1689 auf einer Reise von Emden nach Utrecht als Betrüger durchschaut und entlarvte ihn 1694 in Wien (LBed. 3, 697-699; Ritschl 2, 236f; Matthias, 300f; GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 128 b, 1682-1696, unpaginiert).
19 Ende Juni war Wedda von Niederndodeleben nach Holland gereist unter der Vorgabe, Dokumente über seine Herkunft zu beschatten (Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 60—66, hier 61). Er befand sich jetzt offenbar auf der Reise nach Jahnishausen (Schicketanz, 142; vgl. Brief Nr. 32, Anm. 6).
211 Nikolaus Lange (s. Anm. 18 und Brief Nr. 30, Z. 47-51).
21 Franz von Meinders (s. Brief Nr. 22, Anm. 26).
22 Vgl. Brief Nr. 28, Z. 3-10.