Nr. 34 AM. Francke an Ph.J. Spam 23. 7. 1692

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Von der Jungf[er] Gräffen haben sie mera falsa angegeben, 6 nun suchen sie zeugen, und finden keine. Ist ein frommes gottfürchtiges Mensch, so nie ei­nen bösen Namen gehabt, dazu mehrentheils kräncklich, daß der läster Geist wohl nicht anders kan, als an Ihr zuschanden werden. Auff mein neuliches 20 erwarte nun, wie es auffgenommen sey. 7 Ich empfhele der hand des Herrn, verharrend

Meines theuresten Vaters in Christo Gehorsamer Sohn M. Augustus Hermann Francke.

Glauche an Halle den 23. Jul. 1692. 25

Dem hochEhrwurdigen in Gott andächtigen, und hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern, der H. Schrfifft] D. Churfürstlich brandenbur­gischen Consistorial Rath und Probsten In Berlin

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6 Agnes Gräffher waren in der zweiten Klage Voglers und Naumanns vom 5.7.1692 gegen Francke (vgl. Brief Nr. 29, Anm. 9) folgende Vorwürfe gemacht worden: Francke habe mit ihr eine miethe [...] ausgemachet", wogegen sie betont, daß sie ein vom Böttcher angebotenes Haus gemietet habe; sie halte in ihrem Haus Zusammenkünfte, weshalb nachts in ihrem Haus Leute ein- und ausgingen; sie selbst würde nachts das Haus verlassen; sie habe Francke abends und morgens besucht; sie habe Kontakt zu einer Frau Nagellehngen gehabt (vgl. die Stellungnahme der Agnes GräfFner zu diesen Vorwürfen, die sie am 29. November an die Untersuchungskommis- sion verfaßte, AFSt/H D 92; 384-385, Zitat 384). - Vermutlich ist Agnes GräfFner identisch mit der ,Jungfer GräfFner", die aus Leipzig stammte, mit Francke nach Erfurt gekommen war, sich in Gotha aufgehalten und Francke am 28.2. sowie 6. und 21.3.1692 in Glaucha besucht hatte (vgl. H. Fergen, Waarhafftiger Bericht [...] zur Rettung der Unschuld mit Approbation der hoch- loebl. Theol. Facultaet zu Jena heraus gegeben, Jena 1694, 130132; Kramer, Beiträge, 178f. 181; Wotschke, Thüringen, 16; Geissendoerfer, 35). Ob sie zugleich identisch ist mit der Jungfer Gräfin", die 1693 den Untergang Quedlinburgs voraussagte (s. Brief Nr. 80, Z. 5457 und Anm. lOf), läßt sich nicht nachweisen. - Die in der Forschung durchgängig übernommene Behauptung von Feustking, es handele sich um eine Frau mit Namen Maria Graf (s. Brief Nr. 80, Anm. 10; vgl. Witt, 41; E. Koch, Generalsuperintendent Heinrich Fergen und die Anfinge des Pietismus in Gotha, in: Rezeption und Reform, FS für Hans Schneider zu seinem 60. Geburts­tag, hg. W. Breul-Kunkel u. L. Vogel, Darmstadt 2001 [Quellen und Studien zur hessischen Kirchengeschichte 5], 189-211, hier 199f. 203. 206. 210; vgl. auch Schneider 1, 401), läßt sich anhand der Primärquellen nicht verifizieren.

7 Speners Antwort vom 23.7.1692 (Brief Nr. 33) auf Franckes Brief vom 19.7.1692 (Brief Nr. 32) kreuzte sich mit dem vorliegenden Brief Franckes.