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Nr. 36 A.H. Francke an Ph.J. Spener 2. 8. 1692
10 ichs auch an Herrn von Seckendorff 9 befordere 10 . Sehe aber daß die com- mission nur gehet auff einen gütlichen vergleich in solcher special-Sache, da also noch nichts vom ministerio gedacht wird." Gott wird weiter helffen. M. Rott 12 soll meine Predigt wiederlegen wollen 13 . Werde zu ihm senden, so er etwas wieder mich habe, daß er sich mündlich mit mir bereden möge.
15 Ich mache mich nun auch an die Leipz[iger| doppelte vertheid[igung]. 14 Bitte doch Herrn M. Schaden 15 , dahin zu vermögen, daß er es mit Fleiß durchgehe, und mir communicire, was er nöthig erachtet, zu erinnern, weil es causa communis. Herr M. Schade hat begehret Nachricht von einem studioso 16 , der bey mir einige tage gespeiset, ich habe nichts böses selbst von Ihm gesehen,
2o aber von Herrn Töllnern Prediger zu Panitsch 17 verstanden, daß eben nichts
9 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4).
10 Francke sandte eine Abschrift des Befehls zur Einsetzung der Kommission am 3.8.1692 an von Seckendorf (vgl. die Erwähnung dieses Schreibens in Seckendorfs Antwort an Francke vom 8.8.1692, AFSt/H C 661:1).
" Die Kommission, bestehend aus Veit Ludwig von Seckendorf, dem Konsistorialsekretär Kaspar Kreutzing und dem Kanzler Gottfried von Jena als Vorsitzendem, sollte lediglich die Auseinandersetzungen zwischen Francke und seinen vom Abendmahl ausgeschlossenen Beichtkindern in Glaucha (s. Briefe Nr. 28fT) regeln; der grundsatzliche theologische Streit mit der Hallenser orthodoxen Stadtgeistlichkeit sollte nicht thematisiert werden (vgl. auch Lotze, 61, und Speners Memorial in der Sache [s. Brief Nr. 41, Z. 3—5 und Anm. 1]).
12 Albrecht Christian Rotth (12.1.1651-10.12.1701), geb. in Ottenhausen/Thür.; Studium in Jena (1675 Magister), 1677 dritter Schulkollege am Gymnasium in Halle, 1683 Konrektor, 1689 Diakon an St. Ulrich, 1692 Mittagsprediger an St. Thomas in Leipzig, 1699 Vesperprediger ebenda (Dreyhaupt 2, 702). Rotth, einer der schärfsten Gegner des Pietismus, war der Verfasser Imago Pietismi (s. Brief Nr. 15, Anm. 13).
13 [A. Chr. Rotth], Eylfertiges Bedencken ueber M. August Hermann Franckens/ Pastoris zu Glauche vor Halle/ seine Schutz=Predigt/ Ob er durch dieselbe seinen Zweck/ den er auf dem Titul gedachter Predigt beruehret hat/ erlanget oder nicht? Auf Begehren gestellet von einem Diener Gottes in Halle/ An einem Seiner Beicht=Kinder. Anno 1692. d. 25. Julii. — Rotths als Antwort auf Franckes Predigt zum 6. So.n.Tr. 1692 verfaßtes, insgesamt 70 Seiten umfassendes Bedenken wurde zunächst als Flugschrift verbreitet, erschien aber trotz des kurfürstlichen Ver- öffentlichungsverbotes 1692 in Leipzig auch im Druck (Deppermann, 81; vgl. Briefe Nr. 38, Z. 8-15, Nr. 40, Z. 14-21 u.ö.).
14 Zu einer Reaktion Franckes (vgl. Speners entsprechenden Rat vom 17.5.1692, Brief Nr. 27, Z. 4—27) auf die Doppelte Verteidigung (s. Brief Nr. 26, Anm. 2) kam es nicht. Er erwähnt sie lediglich in seiner kurz darauf verfaßten Entdeckung der Bosheit (s. Brief Nr. 38, Anm. 46). Zu Speners bereits erfolgter Reaktion vgl. Brief Nr. 33, Z. 41 f und Anm. 25.
15 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).
16 Nicht ermittelt.
17 Justinus Toellner (1656-6.5.1718), geb. in Gera; 1677 Studium in Leipzig, 1680 Informator in Panitzsch bei Leipzig, 1682 Pfarrer daselbst; 1696 Amtsenthebung durch das Leipziger Konsistorium wegen verweigerter Absolutionen, 1697 Inspektor des Waisenhauses in Halle (DBA 1277, 63-73; Matrikel Leipzig, 460; Jöcher 4, 1231; Dreyhaupt 2, 146. 739; Knuth, 117—139). — Toellner verfaßte in der Sache seiner Amtsenthebung ab 1697 einige Streitschriften (s. Brief Nr. 135, Anm. 4).