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Nr. 51 AM. Francke an Ph.J. Spener 24. 9. 1692

Von Leipzig bin heute berichtet worden, daß D. Carpz[ov] 10 nunmehro das Leipziger] pfingst-programma 1 ' gegen mich defendiren 12 wolle, so in 8 tagen werden zu sehen seyn 13 . Ich bin resolviret in allem stille zu seyn biß nach geendigter commission. Hier habe müssen M. Rothes wegen noch 2o ziemlich Schmach über mich nehmen, der Herr sey dessentwegen gelobet, Seine Ehre wird desto heller leuchten. Nechst Empfhelung in Göttliche Obhut verharre

Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn

M. Augustus Hermann Francke.

25 Glauche an Halle den 24 7br. 1692.

Dem Hochwürdigen in Gott andächtigen, und Hochgelahrten Herrn Herrn Philipp Jacob Spenern, der H. SchfrifFt] D. Churfürstlich Brandenburgischen Consistorial-Rath, und wolverdienten Inspectori In Berlin . Francö.

10 Johann Benedikt (II.) Carpzov (s. Brief Nr. 12, Anm. 16).

11 Offenbar Carpzovs Pfingstprogramm von 1691, in dem er Francke und die um diesen ent­standene Leipziger pietistische Bewegung angegriffen hatte (s. Brief Nr. 12, Anm. 16).

12 Francke hatte auf Carpzovs Pfingstprogramm mit seiner Abgenötigten Fürstellung (s. Brief Nr. 12, Anm. 15) noch 1691 geantwortet.

13 Möglicherweise J.B. Carpzov, Bey Christlichem Begrabnüß Herrn Martin Borns, von Bel­grad aus Pommern [...], Den 7. Augusti Anno 1689. Gehaltene Leich-Predigt, Sampt Herrn L. Joachim Fellers [...] damahls verfertigten Epicedio, Worauf die Inquisition wider die Pietisten angegangen, o.O. 1692. Die Predigt Carpzovs hatte zusammen mit Fellers Gedicht zu den Leipziger Verhören von 1689 geführt. Die Edition folgt allerdings Mitschriften und verdankt sich offenbar nicht der Initiative Carpzovs (vgl. Gierl, 97. 103. 155).