Nr. 52 Ph.J. Spater an A.H. Franckc 24. 9. 1692

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Aber es konten doch wol mehr arme studirende, so nichts von hauß beka­men, daselbs leben, alß auff einiger andern academia, wegen der sehr vielen Informationen , daran es ohne zweifFel in Hall noch bisher mangeln wird. Jedoch hoffe, wann entweder Gott des ministerii hertz auch zu der academie lencken, oder die burgerschafft des nutzens, den sie von treuen informatoribus 45 haben kan, gewahr werden wird, so werde auch darmit mehrern gerathen werden. Ich will wider in einer hohen person 22 nahmen 20 thaler assignirt haben, welche gelhebter] Bruder und Herr D. Breithaupt 23 under diejenige auß zutheilen, da sie es am besten und nothdürfftigsten angewandt befinden: Ich muß aber erst sehen, wie ich das geld hinüber bringe, indeßen solle es 50 gewiß sein, ob es nur jemand vorschießet.

Meinen Christian Maximilian 24 anlangend, wird ihn Herr L. Rechen­berg 25 vielleicht bereits nach Mersburg geführet haben: 26 Ob wir wol vorige woche fast auff die gedancken gerathen, ihn widerum hieher kommen zu­laßen, und Herrn Grabovium 27 seinetwegen anzusprechen. Auffsicht auff 55 seine diet bedarff er allerdings 28 , es möchte aber vielleicht jetzt weiberauff- sicht in dieser sache an ihm die nötigste sein, wie er dann deswegen unsrer Baasen der Frau Saltzmänin 29 daselbs gegeben wird, so eine stille haußhaltung hat, und ihr Herr 30 sonderlich Christlich ist. Sonst habe ihn deswegen nach Halle gethan, in dem vertrauen, das er eine gute Zeitlang nach Gottes willen 60 geliebten Bruders treuer vermahnungen genießen möchte: und würde auff keine änderung gedacht worden sein, wo nicht seine fast aneinander auff underschiedliche art angehaltene Unpäßlichkeit, die reise nach Leipzig, und alßdann diesen anderen rath veranlaßet hätte. Indeßen bleibe auch vor die biß dahin angewandte [Sorge] zu schuldigem danck verbunden. Von Herrn 65

43 /in Hall/. 49 /auß/. 65 [Sorge]: cj (Wort fehlt).

Anstellung der Studenten als Informatoren.

22 Nicht ermittelt.

23 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

24 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

25 Adam Rechenberg (s. Brief Nr. 1, Anm. 6).

26 Vgl. Brief Nr. 49, Z. 33-39.

27 Georg Grabow (20.10.16378.6.1707), geb. in Wilsnack bei Havelberg; nach dem Studium in Frankfurt Konrektor in der Neustadt in Brandenburg, 1666 Subrektor und 1675 Konrektor am Cöllnischen Gymnasium; 1684 auf Speners Veranlassung Rektor in Frankfurt a.M., 1691 Privat­lehrer in Leipzig, dann in Berlin (DBA 412, 91-95; ADB 9, 541f; Jöcher 2, 1111; Noack/Splett 1, 165-173).

2H Vgl. Franckes Brief vom 20.9.1692 (Brief Nr. 50, Z. 76-79). Zum anderslautenden Votum des Leipziger Arztes vgl. Brief Nr. 49, Z. 35.

29 Maria Dorothea Saltzmann, geb. Schmidt, geb. in Straßburg; Ehefrau von Johann Jakob Saltzmann (s. Brief Nr. 49, Anm. 30) in Merseburg und Nichte von Susanne Spener; 1713 ver­witwet Wirtin im Frauenzimmerstift in Halle; fiel 1715, als ihre Tochter Maria Dorothea mit Bartholomäus Ziegenbalg nach Trankebar ging, in Melancholie (Zedier 33, 1573; A. Lehmann [Hg.], Alte Briefe aus Indien, Berlin 1957, 13f. 17. 20. 33. 450f. 510 u.ö.; Witt, 142).

30 Johann Jakob Saltzmann.