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Nr. 62 AM. Francfee an Pli.J. Spener 17. 12. 1692

Meine betstunden seegnet der Herr gar augenscheinlich, und habe ich noch gar überall an keinem Ort eine solche offene thür gefunden, noch

40 in solchen vollem Seegen gearbeitet. 20 Der Herr laße mich elenden unter solcher großen Gnade treu erfunden werden. Es haben mich Studiosi die von Herrn Prof. Dantzen 21 kommen versichern wollen, daß diesem Prof]essio] Orientjalium] [Linguarum] hieselbst angetragen sey, so mir nicht unglaub­lich. 22 Sonst habe allemahl noch ein gut hertz zu ihm, doch hat es nimmer

45 recht zu einer wahren Verleugnung durchbrechen wollen.

Die übersant relation wird seyn liegen blieben. 23 Wenn der gantze actus von etlichen stunden wäre gegenwärtig angesehen worden, würde es viel schärffere impression gegeben haben. 24 Der Herr behütet den einfältigen. 23 Weil ich vermeyne jüngstes Schreiben von D. Koschwitzen 26 in dero

so Schreiben eingeschloßen empfangen zu haben, habe mich erkühnet gegen­wärtiges von der Jfungfer] WolfHn 27 wieder beyzulegen. 28 Ich verharre hie- mit

Meines theuresten Vaters Gehorsamster Sohn M. Augustus Hermann Francke.

55 Glauche an Halle den 17. Dec. 1692.

Heute sind wir hie die liebe Fr. Stifftshauptmännin von Quedlinbfurg] 29 mit ihrem Herrn 30 und Geschwistern 31 und deren Männern 32 vermuthen 33 , unter

57 Männern ] + hie: A [Dittographie].

concep[i]t" (= auf Drängen verfaßt), der in den Glauchaer Akten sonst keine Rolle spielt (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159b, 1531-1699, Bl. 347-349).

20 Zu den von Francke gehaltenen Betstunden s. Brief Nr. 60, Z. 2027.

21 Johann Andreas Dantz (s. Brief Nr. 61, Anm. 25).

22 Zu einer Anstellung von Dantz in Halle kam es nicht.

23 Vgl. Brief Nr. 60, Z. 30-35 und Nr. 61, Z. 34-42.

24 Die Bemerkung dürfte sich auf die berichteten Ekstasen wohl Schucharts beziehen (s. Anm. 23).

25 Ps 116,6.

26 [Georg Daniel (?)] Koschwitz sen. (s. Brief Nr. 22, Anm. 46). Das Schreiben von Koschwitz ist nicht überliefert.

27 Wohl Sophia Tranquilla Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 43). Ihr offensichtlich an Koschwitz gerichteter Brief ist nicht überliefert.

28 Wolff stand mit Koschwitz im Briefwechsel (vgl. Brief Nr. 22, Z. 66f).

29 Sophia Maria von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 7). Frau von Stammer hatte Francke am 21.8. schon einmal in Halle besucht (vgl. Breithaupt an Spener, 27.8.1692, AFSt/H D 88: 31). Ihren jetzt bevorstehenden Besuch gemeinsam mit Martha Margaretha von Schönberg (s. Brief Nr. 73, Anm. 12) hatte Adelheid Sybille Schwarz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16), die sich zu diesem Zeitpunkt aufschloß Helfta aufhielt, angekündigt (vgl. Schwarz an Francke, 15.12.1692, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 19: 4-5).

30 Adrian Adam von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 6).

31 Außer Catharina Sophia von Münchhausen (s. Anm. 34) kommen hier Eleonora Elisa­beth und Johanna Ernestina geb. von Selmnitz sowie der Bruder Carl Friedrich in Frage (vgl.