Nr. 87 PliJ. Später an AM. Francke 23.12.1693

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trahirte imputationes einer secte beschuldi g et p . 13 Darauff dem geheimen 40 rath anbefohlen wird, die acta durch gewißenhaffte leute examiniren zu laßen, u. darvon relation abzustatten, an das OberConsistforium] zu ver­ordnen, das in dem gantzen lande alles schreiben und predigen wider den so genannten pietismum, ehe etwas gründliches erwiesen, bey nahmhaffter bestraffung untersagt werde, auch von allen profess[oribus] Theolfogiae] u. 45 Superintendenten ihr bedencken verschloßen einzuschicken zu fordern 14 , so dann auff die schrnachschrifften, sonderlich auch den Lanckischen buch­laden 15 , ohne ansehung der person zu inquiriren pp. Es hat dieses sobald viele motus in Dreßden erreget, und solle eine vehemente schrifft hiegegen auß dem OberConsistorio wider ergangen sein 16 . So hat Herr D. Carpzovius 50 seine dimission begehret 17 , wie man auch meinet, das er sie erhalten werde. Daß in Leipzig eine ernstliche inquisition gehalten werde, wird auß der nähe bekant sein. Es ist aber die vornembste person, nemlich der Lanckische diener 18 , unter dem vorwand nötiger reise weg, so die sache etwas hemmet. Dem Herrn wollen wir ferner befehlen, was er zum schütz der guten sache 55 noch will laßen von statten gehen oder nicht.

Im übrigen weiß nicht, ob denselben schon bekant, das Herr Royens todt ist. 19 Woher wirs wißen, bestehet darinen, das an den Herrn Feldmarschall v. Flemming 20 von Bremen geschrieben, das daselbs ein Studiosus erschlagen

42 /an(?)A 52 /Leipzig/ : (Dresden).

13 Das Zitat ist bei Spener, Freudigen Gewissens Frucht (s. Anm. 11), nicht abgedruckt.

14 Die Idee, sowohl in Leipzig als auch m Wittenberg alle Mitglieder von Universität, Ministe­riuni und Rat aufzufordern, innerhalb von 24 Stunden ihr Votum über den Pietismus aufschreiben und in einem geschlossenen Umschlag an den Kurfürsten abzugeben, stammte von Spener (s. Brief Nr. 71, Anm. 15). In seinem Brief an Johann Georg IV. vom 30.9.1693 (LBed. 3, 672-675) hatte Spener den Kurfürsten darauf hingewiesen, daß die entsprechenden Antworten unterdessen doch vorliegen undexaminiert" werden müßten (673f). Somit könne nun die Unschuld der sog. Pietisten publik gemacht, die anonymen Autoren (vor allem der Ausführlichen Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17J) ermittelt und auf diese Weise andere von der Veröffentlichung vergleich­barer Schriften abgehalten werden.

15 Friedrich II. Lanckisch, Erben (s. Brief Nr. 39, Anm. 10), zu diesem Zeitpunkt vor allem in der Hand von Regina Lanckisch (s. Brief Nr. 47, Anm. 9). Die Leipziger Verlagsbuchhandlung nahm eine führende Rolle bei Druck und Verbreitung von Streitliteratur gegen den Pietismus ein.

16 Nicht ermittelt.

17 Samuel Benedikt Carpzov, Oberhofprediger in Dresden (s. Brief Nr. 33, Anm. 26). Ein Entlassungsgesuch wurde nicht ermittelt.

18 Es dürfte sich handeln um Christoph Kircheisen, der als Diener des Lanckischen Ladens schon im September 1692 auf dem Jahrmarkt in Halle wegen des Erscheinens der Entdeckung der Bosheit (s. Brief Nr. 38, Anm. 46) zur Vernehmung festgehalten worden war (s. Brief Nr. 49, Anm. 12).

19 Zum Tod Johann Hubertus Royens (s. Brief Nr. 22, Anm. 19) vgl. LBed. 3, 656f.

20 Wohl Heino Heinrich von Flemming (8. oder 9.5.1632-28.2. oder 1.3.1706), geb. in Buckow/Pommern; 1657 in kurbrandenburgischen Diensten, 1679 Oberst; 1680 Braunschweig- Lüneburgischer Generalmajor, 1681 oder 1682 Feldmarschallleutnant in Kursachsen, 1690 oder