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Nr. 90 Ph.J. Spater an A.H. Francke 24.2.1694
ihn müßen examiniren 8 : wie man nun seine wenige erkantnus u. wißenschafft bald gesehen, er sie auch selbs bedauret, also darff nur soviel in generalibus sagen (biß Churf[ürstliche] resolution heraußkommen wird 9 ) das er seine irrthumer erkenne, auch willig revociren werde. Er sagte meinem famulo 10 20 selbs, das er Gott danckte, der ihn zur erkantnus der irrwege bringe. Der Herr bewahre ihn, nicht ferner mehr darein zufallen, und bereite ihn zu einem werckzeuge seiner gnaden.
Herrn Langen eingang in Wien 11 hat Gott herrlich gesegnet, das audito- rium ist viel volckreicher, alß ich mirs nie eingebildet, und der Herr abge- 25 sandte 12 , wie er ihm das zeugnus gibet, sehr Christlich gesinnet, daher er auch bey ihm sehr angenehm. Der Herr gebe ferner gnade zu reicher saat und ernde. In deßen treue obhut schließlichen empfehlende verbleibe
Meines wehrtesten Bruders zu gebet und liebe williger
PhfilippJ J[acob] Spener D. Mppria.
30 Berlin den 24. Febr. 1694.
Herrn D. Breithaupt grüße ich in dem Herrn. Wie lebet Herr Rath Printz 13 ?
Herrn Herrn M. August Hermann Francken, Linguarum Orientfalium] prof[essori] publico zu Halle, und treueyffrigem pastori der gemeinde zu 35 Glauche vor Halle Franco
8 Das Examen hatte am 14. und 15.2. stattgefunden (s. Brief Nr. 89, Anm. 2).
9 Der kurfürstliche Revers, aufgrund dessen Wolters aus dem Arrest entlassen wurde, datiert wohl vom 9.3.1694 (LBed. 3, 725).
111 Johann Müller (s. Brief Nr. 86, Z. 3f).
11 Nikolaus Lange (s. Brief Nr. 7, Anm. 12) hatte nach seiner Ordination in Berlin am 25.12.1693 sein Amt als Gesandtschaftsprediger des schwedischen Grafen von Horn (s. Anm. 12) in Wien angetreten (ADB 17, 648).
12 Fredrik Wilhelm von Horn aus Stockholm, 1689/90 außerordentlicher schwedischer Gesandter in Brandenburg-Preußen, 1690 bis Juli 1694 beim Kaiser in Wien (Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden [1648], hg. unter der Leitung von L. Santifeller u.a. v. F. Hausmann, Bd. 1: 1648-1715, Oldenburg u.a. 1936, 483. 487).
13 Johann Friedrich Printz aus Bautzen (?), kurfürstlicher Rat in Halle, 1695 Dr. jur. in Leipzig (?) (DBA 982, 120; de Boor, 91; Thema juris gentium publici, de jure avocandi cives et incolas ex territorio alieno, [...] sub praesidio Georgii Beyeri [...] exhibetJohann Fridericus Prinz, Leipzig 1695). — Printz, der am 22. und 23.10.1692 in Halle Zeuge der Ekstasen und des „Blutschwitzens" Anna Maria Schucharts (s. Brief Nr. 22, Anm. 15) geworden war und dies auch schriftlich bestätigt hatte (vgl. AFSt/H D 92: 251), verfaßte 1694 ein Memorial, in dem er für die Verwaltung des Abendmahls durch alle Gläubigen eintrat (J.FR. PRINTZEN Bey dem Consistorio zu Hall Eingegebenes MEMORIAL, Worinnen er vertheidigen will/ Allen glaeubigen Christen sey die Administration des H. Abendmahls gemein/ Sambt einem Theologischen Bedencken darueber/ [...], [Halle] 1694).