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Nr. 91 Ph.J. Speneran A.H. Francke 29.3. 1694
aber zur antwort bekommen, das schon vor 14 tagen nach Halle überschickt, darauff er sich beruffen kan.
Der Hertzog zu Wirtenberg 5 hat ein edict zu Stutgard publicirt, wegen der sogenannten pietisterey 6 , darinnen die meiste puncte, wie man verlangen möge decidirt werden 7 . Wünschte, das mehrere exemplaria auch hieher kämen.
Herrn Herrn M. August Hermann Francken prof[essori] Graecfae] et Orient[alium] Ling[uarum] bey der universitfet] Halle und treufleißfigem] pastori zu Glauche.
Halle.
Francö.
24 /mehrere(?)/.
4 In Fortsetzung der Auseinandersetzungen um die Schulkirche (s. Brief Nr. 22, Anm. 41) war es 1692/93 zu einem Konflikt zwischen Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) und dem Hallenser Gymnasialrektor Johannes Prätorius (s. Brief Nr. 16, Anm. 45) gekommen, der offensichtlich durch ein Beschwerdeschreiben Breithaupts über Prätorius beim Kurfürsten vom 13.6.1692 ausgelöst worden war (vgl. die Erwähnung dieses Schreibens im Bericht der Untersuchungskommission in der Sache vom 27.11.1692, GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 128a 1, 1689-1731, Bl. 569-570', hier 569 v ; zum Vorgang insgesamt s. Bl. 550-570 sowie Rep. 52, Nr. 130, 1691-1762, 4 unpaginierte Bl. zwischen Bl. 208 u. 209). Obwohl der Konflikt im April 1693 von einer Kommission geschlichtet worden war (vgl. das Protokoll der Kommission vom 8.4.1693 in Rep. 52, Nr. 128a 1, 1689-1731, Bl. 557-564), flammte er zu diesem Zeitpunkt offensichtlich wieder auf. Der genannte kurfürstliche Befehl in der Sache vom März 1694 ist nicht überliefert.
3 Eberhard Ludwig von Württemberg (18.9.1676—31.10.1733) hatte seine Regierung in Stuttgart im Jahre 1693 angetreten (DBA 261, 37f; ADB 5, 561-563; Zedier 59, 1169-1188).
6 Des Durchlaeuchtigsten Fuersten und Herrn/ HERRN Eberhard Ludwigen/ Hertzogen zu Wuertemberg und Teckh/ [...] EDICT und Verordnung/ Nach welcher Ihro Hoch=Fuerstl. Durchl. Alumni oder Theologiae Studiosi, bey Dero Fuerstlichen Universitaet zu Tuebingen/ und Theologico Stipendio daselbsten/ auch einfolglich die saemtliche Wuertembergische Kirchen= und Schul=Diener/ in denen zwischen einigen Evangelischen Theologen ohnlaengst entstandenen/ und unter den neuerlichen Titul der Pietisterey gezogenen Streitigkeiten/ angewiesen/ und in was Schrancken der Lehre sie erhalten werden sollen, Stuttgart 28.2.1694.
7 Das Edikt handelt in knapper Form folgende Punkte ab: De Chiliasmo, De Principio Theologiae et fidei, De Lumine Prophetico, De Theologia literali. De verä Dei notitiä, De Servatione Mandatorum Legis, De Enthusiasmo, De Theologia Mysticä, Dejacobo Böhmi und De Adiapho- ris. In allen Punkten wird vorgeschrieben, sich nach den symbolischen Büchern zu richten, nicht vorschnell zu urteilen und alle Streitigkeiten zum Vergleich und zur Beilegung an die fürstliche Kanzlei zu berichten. An dieser eindeutigen Regelung der um den sog. Pietismus entstandenen theologischen Auseinandersetzungen durch die Obrigkeit dürfte hier Speners besonderes Interesse bestanden haben (vgl. Speners z.T. erfolgreiche Versuche, den Dresdner Kurfürsten entsprechend zu beeinflussen in Brief Nr. 87, Z. 32-54 und Anm. 14).