Nr. 104 PhJ. Spener an AM. Francke 26.3.1695
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als er noch lebete, auß dem was von ihm gehöret, auch in abwesenheit werth gehalten, so bleibet auch deßen gedächtnus bey mir im segen. Doch bin nicht in abrede, das die zeit über als hier bin, auch von underschiedlichen Schwachheiten, die nicht ohne anstoß, vernehmen müßen. Daß also rathsamer achte, das die historien hier nicht viel gerühret werden, als darvon nicht viel nutzen, 20 wol aber unterschiedliche ungleiche urtheile sorgen müßte. Eine frage so die damalige ministros und collegas alhier angehet, findet Herr Thering auch rathsame außzulaßen durch ein angefügtes etc. 12
Herrn Cammfer] Rath Krauten 13 habe zur stund als den brieff empfangen seinen einschluß gesandt , seiter neulich aber nicht mit ihm reden können. 25 Gott bringe dasjenige geschafft, darvon in dem brieff ohne zweiffel gehandelt wird 15 , bald zu völligem und erwünschtem ende. In deßen treue beschirmung und süßen gnaden genuß samt der Frau Eheliebsten 16 und kind 17 schließlich empfehle verbleibende
Meines wehrtesten Herrn Gevfatters] und Bruders zu gebet und liebe 30 williger
Phhlipp] J[acob] Spener D. Mppria Berlin den 26. Mart. 1695.
Meine Haußfrau 18 setzet hiebey ihren wünsch: welchen ich auch an die theure Frau Stammerin 19 zu thun bitte, wo sie noch bey ihnen sich helt. 35 Die abschrifft des responsi folget gel[iebts] Gott nechst. 20
35 Stammerin ] Baumanin: D.
12 Francke befolgte diesen Ratschlag nicht. Er veröffentlichte schon 1695 auch die 6. der nach Kiel gesandten Fragen, in der es darum geht, ob „die andere Herren Prediger wolgethan", daß sie „N." „auff der Cantzel perstringiret/ und ihn bey der gantzen Gemeine verdaechtig zu machen sich bemuehet/ wieder Ihn und den I3eicht=Vater ein Responsum Academicum eingeholet/ und beyde dadurch zugefaehren gesuchet? Auch wie ihnen aufs glimpflichste und beste/ daß fernere Aergerniß/ Mißhelligkeit und Streit zwischen Collegen, und eines ohne das genugsam betruebten Mit=Christen fernere Verunglimpfung verhuetet werden möge/ zu begegnen?" (RESPONSUM der Hochloebl. Theologischen Fakultät [■■■] Kiel [s. Anm. 5], 92-96).
13 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).
14 S. Brief Nr. 103, Z. 10-13 und Anm. 5.
15 Die seit Ende 1694 dauernden Verhandlungen um die Genehmigung einer Adjunktur für Johann Anastasius Freylinghausen (s. Brief Nr. 94, Anm. 5) im Glauchaer Pfarramt (vgl. Briefe Nr. 95, Z. 7-59, Nr. 98, Z. 12-29 und Nr. 100, Z. 5-16).
If ' Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24).
17 August Gottlieb Francke (s. Brief Nr. 99, Anm. 16).
18 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).
19 Sophia Maria von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 7).
20 Spener legte das Responsum aus Kiel (s. Anm. 5) seinem Brief vom 30.3. bei (vgl. Brief Nr. 105, Z. 2-5).