Nr. 123 A.H. Francke an Ph.J. Spater 12. 9. 1696
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Herr P. Antonius 7 , der Herr Amtmann 8 , in denen Vorstädten eine Visitation anzustellen, 9 wol nicht aus einer guten Absicht, doch verhoffentlich zu vielem guten. Nun gehet die Rede man wolle unter der Hand die relation Herrn D. Olearii nach Berlin schicken. Im fall es geschehen solte, wiewol es eben nicht gewiß, oder doch nur an Herrn Cammer-Rath Krauten 10 geschiehet, dienet dann zur Nachricht, daß die Leute rechte Lügen angegeben, darüber ich noch nicht gehöret bin. Sonst habe ich zu der gantzen Sache große Freudigkeit, und hoffe daß es zur Bekentniß vieler Warheit dienen werde. Ach wie gern w'ä[re] ich des Beichtsthuls [sie!] gar loß, der mir gewiß mein Leben noch verkürtzet, so ich doch nicht achte, so nur mein armes Gewißen dabey unverletzet bleiben könte. 11 Herr hilff uns! Der Läster=Geist ist hier auch auffs neue ausgegangen, und machet es sehr grob. Gott erbarme sich der armen Menschen! Mit Herrn D. Breithaupten bessert sichs. 12 H. Schröder 13 und die Jungfer Wolffin, junior, 14 haken den Montag nemlich den 14. Sept. in meinem Hause Hochzeit.
Beykommendes 13 bitte nur unfranciret bestellen zu lassen. Empfhele der Gnade des Allerhöchsten, und verharre
18 angegeben ( abgeben. 20 Über den Ü-Strichen steht ein lateinisches kleines „e", dessen Bedeutung nicht erkennbar ist. 21 wä[re]: cj. 29 u[nd]: cj.
7 Paul Anton (s. Brief Nr. 110, Anm. 64).
8 Johann Andreas Lohse, Oberamtmann in Giebichenstein (vgl. dessen namentliche Erwähnung in der Glauchaer Visitationsakte von 1696 im LHA Magdeburg/Wernigerode Rep. A 12 a I Nr. 1998, Bl. 34, sowie in einem Schreiben des Konsistoriums an den Kurfürsten vom 8.7.1697, PfA St. Georgen A4, Nr. 41; Dreyhaupt, der als Nachfolger von Johann Brandis [gest. 1696, s. Brief Nr. 29, Anm. 6] ohne Jahresangaben Daniel und Johann Christoph Lohse angibt, irrt sich demnach in den Vornamen [Dreyhaupt 2, 852|). Lebensdaten wurden nicht ermittelt.
9 Die kurfürstlichen Anordnungen, in den Halleschen Vorstädten Glaucha und Neumarkt Visitationen durchzuführen, datieren vom 10.9.1696 (LHA Magdeburg/Wernigerode Rep. A 12 a I Nr. 1998, Bl. lf [für Glaucha] und Nr. 2013, Bl. lf [für Neumarkt; Erwähnung in einem Schreiben des Kurfürsten vom 18.12.1696]). Die Visitation in Glaucha begann am 30.10., wurde am 5., 9., 10., 13., 17. und 25.11. sowie 9.12. fortgesetzt und am 16.12.1696 abgeschlossen (Glauchaer Visitationsakte, aaO, Bl. 3-33). Der abschließende Bericht datiert vom 23.8.1697 (Bl. 52—55). Die Visitation in Neumarkt wurde erst vom 10.5. bis 22.7.1697 durchgeführt; anstelle von Olearius gehörte hier Wolfgang Melchior Süsser (s. Brief Nr. 81, Anm. 10) zur Visitationskommission (Neumarkter Visitationsakte, aaO, Bl. 35—65).
10 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).
11 Zu Franckes Gewissensproblemen bei der Erteilung der Absolution in der Privatbeichte vgl. vor allem Briefe Nr. 55, Anm. 45 und Nr. 108, Z. 25-36 und Anm. 18.
12 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) war offenbar erkrankt, wobei der Kontext es nahelegt, daß die Erkrankung mit seelischen Leiden einherging. Schon Ende 1692 hatte Francke Breithaupts Todesahnung erwähnt (vgl. Briefe Nr. 56, Z. 21-26 und Nr. 57, Z. 51-57).
13 Johann Heinrich Schröder (s. Brief Nr. 21, Anm. 16).
14 Sophia Tranquilla Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 43).
15 Nicht ermittelt.