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Nr. 138 A.H. Francke an Ph.J. Spcmr 26. 6. 1697
wie sie bey den armen gebrauchet wird. 4 Es ist kein Zweiffel, daß nach dem 15 jetzigen Zustande solche viel nutzen hin und wieder schaffen würde, da sich Prediger und Schulmeister, wie auch die privati Praeceptores darnach richten könten, die sonst etwa nicht wissen, wie sie die Sache angreiffen sollen. Wenn nun M[ein] th[eurester] Vfater] meynet, daß solche eadem opera könne bey- gedrucket werden, so solte mir es auch wohl hertzlich lieb seyn. Lehret uns 20 dann Gott hier etwas bessers, so [soll] sie auch verbessert herauß kommen. Est aliquid prodire tenus, si non datur ultra. 5 Wir mögen ja nun wohl alles äuserste noch thun, was wir nur können, damit wir in der Eyl erretten was noch [zu] erretten ist, weil wir sehen, daß der Herr mit seinen Gerichten eilet.
25 Aus Sachsen kommen nun die Posten täglich trauriger 6 . Gott wird ja doch noch einige durch solche offenbare Gerichte zur Erkentniß bringen. Der Sohn 7 befindet sich noch wol, hiebey ist ein Schreiben von ihm 8 . Im Ex- amine 9 ist er gar wohl bestanden. Herr D. Olearius 10 hat demselben unter andern auch beygewohnet.
30 Die Jungfer Ortin 11 fanget an sich so zu bezeigen, daß wir gute hoffnung von ihr schöpffen. Ich grüße nebst meiner Liebsten 12 die Frau Gevatterin 13 und das gantze Hauß, und verharre
20 so ] sol: D. 20 [soll]: cj (Wort fehlt). 23 [zu]: cj (Wort fehlt).
4 Schul=Ordnung Fuer die Waysen= und uebrige Schul=Kinder, in: A.H. Francke, Historische Nachricht (s. Anm. 2), 72—168. — Die Schulordnung wurde in der endgültigen Fassung im Jahre 1702 gedruckt (A.H. Francke, Ordnung und Lehr=Art/ Wie selbige in denen zum Waysen=Hauße gehörigen Schulen eingefuehret ist/ [...], Halle 1702 [Francke-Bibliographie Nr. F 18.1]). Manuskripte der Schulordnung vom 30.3.1699 bzw. 8.11.1700, die weitgehend mit der Druckfassung von 1702 übereinstimmen, befinden sich im PfA St. Georgen A 4, Nr. 43 und im GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 131 b 2, 1698-1755, Bl. 514-550.
3 Horaz, Epistulae I .i.32.
6 Francke dürfte hier die am 2.6.1697 in Baden bei Wien als Voraussetzung zum Erwerb der polnischen Krone vollzogene Konversion Friedrich Augusts von Sachsen (1670—1733) zum Katholizismus im Blick haben. Am 27.6. wurde Friedrich August in Warschau zum König von Polen ausgerufen. Zugleich hatte er im Juni Anton Egon von Fürstenberg als katholischen Statthalter in Dresden eingesetzt (vgl. K. Czok, August der Starke und seine Zeit. Kurfürst von Sachsen, König von Polen, Leipzig 3 1997, 48-53; vgl. LBed. 3, 648-653).
7 Jakob Karl Spener (s. Brief Nr. 133, Anm. 17).
8 Nicht überliefert.
9 Das erste Examen Jakob Karls am Paedagogium Regium.
10 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).
11 Die Jungfer Orth stammte wohl aus der Berliner Gegend und hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Halle auf; sie beabsichtigte, hier einen Strumpfmacher zu heiraten. Susanne Spener (s. Anm. 13) bittet Francke im Oktober 1697, die Mutter des Mädchens, die nach Halle kommt, um den möglichen Schwiegersohn kennenzulernen, zu beraten (vgl. Susanne Spener an Francke, 9.10.1697, AFSt/H C 146: 4).
12 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24).
13 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).