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Nr. 140 Ph.J. Spener an A.H. Francke 24.9.1697
reich seines Sohns in ihr auffgerichtet niemal schaden leide, deßen blut ihre
20 tägliche Versöhnung und sein leben ihre State krafft seye, sein geist ihr lehrer, fuhrer, tröster und göttliche Salbung bleibe, und sie seines erbes in zeit und ewigkeit genieße 3 : durch die erfüllung deßen allen aber der eitern freude vermehret, und zu unzählichem danck denselben und allen guten freunden immerfort ursach gegeben werde.
25 Nechst diesem freuet mich auch die nachricht fernem fortgangs der anstalt vor die arme 4 , und das auch in derselben der Herr seine hand so greifflich spühren läßet, der es sowol immer herrlicher außführen 5 , als auch an andern orten viele zu seliger folge auffmuntern wolle. Die hiesige kinder werden hoffentlich nicht lange mehr außbleiben 6 , sondern bald alles vollend richtig
30 werden. Darzu auch Gott segen gebe.
In unsers Herrn Schadens sache ist bißdaher nichts weiter vorgenommen. 7 Was ihm Herr gehfeimer] Rath von Fuchs 8 neulich nomine Serenissimi 9 anzeigen laßen 10 , wird Herr Prjofessor] Antonius referiret haben 11 . Da ihm nun erst die abstellung der versamlungen der alten leute saur eingewolt,
35 hat er nachmahl gar auch die catechisationes der jugend in dem hause auff- gehoben, ob im wol bedeutet, das solches nicht gemeint seye. Es möchten
3 Das trinitarisch aufgebaute Gebet für das Neugeborene enthält in verkürzter Form die Aspekte, die Spener im Gebet für Gotthilf August Francke (s. Brief Nr. 118, Anm. 9) ausführlich formuliert hatte (vgl. Brief Nr. 101, Z. 4-51).
4 Vermutlich hatte Francke selbst in einem nicht überlieferten Brief, der wegen der gleichzeitigen Mitteilung der Geburt der Tochter nicht vor dem 17.9.1697 geschrieben worden sein kann (vgl. Z. 4—6 und Anm. 2), von der Entwicklung der Armen- und Waisenanstalten in Glaucha berichtet.
5 Vgl. Jes 28,29.
f> Am 12.10.1697 trafen 3 Jungen und 2 Mädchen aus Berlin in Glaucha ein (der Schneidersohn Johann Siegmund Grupe [geb. 1687]; der Sohn eines Schiffmanns Gottfried Genß [1685-20.6.1699]; der Kutschersohn Ludwig Siebert [1688-18.3.1698]; die Pfarrerskinder Anna Christina [geb. 1685] und Charlotte Margaretha [geb. 1687] Thielin aus Blankenburg bei Berlin [vgl. Waisenalbum, 12. 282]). Nach den Angaben Susanne Speners (s. Brief Nr. 15, Anm. 16) waren sie am 9.10. in Berlin abgereist (vgl. Susanne Spener an Francke, 9.10.1697, AFSt/H C 146: 4). In den folgenden Jahren kamen nur vereinzelt Kinder aus Berlin nach Glaucha (vgl. Waisenalbum, 17f. 24. 286).
7 Wegen der Auseinandersetzungen um Johann Caspar Schades (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) Beichtauffassung und -praxis hatte am 17.5.1697 eine Untersuchungskommission getagt (s. Brief Nr. 137). Im Anschluß hatten die Kommissionsmitglieder geheime Voten, die an den Kurfürsten weitergeleitet wurden, abgegeben (vgl. Obst, 77-94). Am 17.7. verfügte Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8), daß die Angelegenheit bis zur Rückkehr des sich in Königsberg aufhaltenden Hofes ruhen sollte (GStA PK HA II, Rep. 47, B4, Fase. 18, Bl. 130-131").
8 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).
9 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).
10 Ein entsprechendes Schriftstück ist nicht überliefert. Entscheidend war offenbar, daß Schade verboten wurde, Erwachsene in seinem Haus zu versammeln (s. die folgenden Zeilen).
11 Paul Anton (s. Brief Nr. 110, Anm. 64) muß entweder schriftlich (vermutlich durch Spener) von den Vorgängen um Schade informiert worden sein oder sich kurz zuvor in Berlin aufgehalten haben. Entsprechende Überlieferungen fehlen.