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Nr. 150 Ph.J. Spam an A.H. Francke 1.10.1698
solchen firmen und geschwinden judicii sind, das sie eine sache sobald sie sie nur ansehen, gleich in eine schickliche Ordnung bringen. Es geht aber fbey]
40 andern nicht an, die es nachthun wollen, und darzu zu schwach sind. Daher sie sich selbs schaden thun.
Mit Herrn Laurentio' 2 habe mich geirret, denn ich ihm gesagt, bey meiner frauen 13 das geld abzuholen 14 , so er auch gesagt zu thun, aber es nicht abge- holet: würden also mit Herrn Raunern die 20 thaler gesandt werden. 15 Vor
45 den segen an den praeceptoribus paedagogii dancke ich Gott mit ihnen: ist eine sehr gefährliche Versuchung, dero die beste am ersten exponirt sind. 16 Hier zeiget sich auch noch die frucht geliebten Bruders gegenwart, in dem die gute freunde still sind: und hat Herr Beyer sich darzu erklähret, wo ih[m es auf]fgetragen würde eine pfarstelle anzunehmen, und beicht zusitzen. 17
5o Gott wird ferner gnade geben, alles in Ordnung zubringen. Deßen güte dancke auch wegen Jacob Carls über das gute zeugnus von ihm 18 : sie walte ferner über ihn, u. bewahre ihn vor allem argen. Herrn D. Breithaupts mit- getheilter träum 19 hat mich sehr vergnügt: Gott laße das dreyfache liecht lang u. je länger je heller leuchten. 20 In deßen gütige obhut, segen und regirung
55 schließlich mit gantzem lieben hauß erlaßende verharre
39 [bey]: cj (Wort fehlt). 48 /darzu/. 48f ih[m es aufgetragen: cj (Papierausriß).
12 [Christoph (?)] Laurentius (s. Brief Nr. 148, Anm. 13).
13 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).
14 S. Brief Nr. 148, Anm. 14.
15 S. Brief Nr. 151, Z. 50.
16 Offenbar hatte Francke in einem nicht überlieferten Brief berichtet, daß die nicht näher beschriebenen besorgniserregenden Vorgänge am Paedagogium Regium (vgl. Brief Nr. 147, Z. 18—23 und Anm. 9) inzwischen beendet seien.
17 Wohl Christoph Wilhelm Beyer (28.5.1651-5.11.1706), geb. in Plauen: 1670 und 1678 Studium in Leipzig und Wittenberg: 1686 Pfarrer in Kunersdorf bei Wriezen, 1687 schwedischer Legationsprediger in Wien, 1687 Pfarrer in Modern in der Slowakei; 1693 erster Pfarrer an St. Katharinen in Salzwedel, 1695 Oberpfarrer an St. Marien und Superintendent ebd., 4.7.1698 Dr. theol. in Halle (Matrikel Leipzig, 30; Matrikel Halle, 24; Pfarrerbuch Brandenburg 2/1, 58; Pfarrerbuch KPS 1, 353). — Christoph Wilhelm Beyer hatte Francke in einem Brief vom 4.10.1698 mitgeteilt, daß er dankbar sei für die Gelegenheit, Francke kennengelernt zu haben, und dabei besonders dessen Predigt zum 11. So.n.Tr. (4.9.1698), die Francke in Berlin gehalten hatte (vgl. Brief Nr. 148, Anm. 1), erwähnt (AFSt/H A 166: 89). Zudem berichtet er von Schwierigkeiten, die er wegen einer eigenen Predigt habe, und von einer Zitation zum Konsistorium, die er ablehne, ohne zu wissen, was ihm nun bevorstünde; auch erwähnt er Kontakte zu Spener (ebd.). Möglicherweise stand für Beyer zu diesem Zeitpunkt eine Amtsentsetzung bzw. Versetzung in ein anderes Pfarramt an. In einem Brief vom 7.7.1699 an Francke schreibt er ausführlich über seine Gewissensprobleme bei der Absolution, die er in einer Predigt thematisiert habe und in denen er bei Francke Rat sucht (AFSt/H F 14: 403f).
18 Francke muß in seinem nicht überlieferten Brief (s. Anm. 16) auch erneut über Jakob Karl Spener (s. Brief Nr. 133, Anm. 17) berichtet haben.
19 Ein Brief Joachim Justus Breithaupts (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) entsprechenden Inhalts ist nicht überliefert.
211 Möglicherweise spielte in Breithaupts Traum ein „dreifaches Licht" als Bild für die Hallenser