Nr. 155 Ph.J. Spener an A.H. Fmticke 11.3.1699
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aber nicht wol müglich, das nicht auffs wenigste etwas müßte vorgegangen sein, das andern unverständigen einen solchen schein gegeben hätte, so bitte hertzlich, mir darvon part zugeben 5 , darmit wo dergleichen auch hier an orten, da es gefahr brächte, bekant werden möchte, ich gleich wüßte, wie ich die daher entstehende motus, auch das hier nicht dergleichen von jemand unbedachtsam drauff hin gewaget würde, mit Vorstellung der Wahrheit zu reprimiren hätte; sodann auch samt Herrn Freylingshausen soviel vorsichtiger zu verfahren, das nicht jemand ferner einen solchen gefährlichen schein darvon nehme. Wie dann die regel uns immer vor äugen sein muß, was auch die dinge anlangt, darzu wir macht haben, das wir doch allezeit auff das jenige hauptsächlich sehen sollen, was frommet und nutzet 6 , darmit nicht auff uns die schuld alles sonsten entstehenden ärgernußes, und was dieses von sich selbs nachzuziehen pfleget, falle. Darzu der Herr Herr uns allen die weißheit, die von ihm ist, verleyhen, uns nicht von unsren gedancken geführet werden laßen, sondern Selbsten seliglich führen wolle. Wormit deßen gnade und obhut samt gantzen lieben hauß hertzlich empfehlende verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn Gevjatters] und gelfiebten] Bruders zu gebet u. liebe williger
Ph [flipp] J[acob] Spener D. Mppria
Berlin den 11. Mart. 1699.
Dem HochEhrwürdigen, Großachtbaren und Hochgelehrten, Herren August Hermann Francken, Sanctissimae Theolfogiae] und Ling[uarum] Sanctforum] profTessori] publico ordinario bey der Hallischen Churffürstlichen] univer- sitet, auch treüfleißigen pastori der gemeinde zu Glaucha. Meinem Hochgeehrten Herrn, wehrten gevattern und in dem Herrn geliebten Brüdern. Glaucha
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5 Francke muß unmittelbar hierauf - wegen der Posttage vermutlich am 14.3. - an Spener geschrieben haben, denn bereits am 18.3.1699 dankt dieser für die rasch erfolgte Antwort (s. Brief Nr. 156, Z. 4f).
6 Vgl. 1 Kor 6,12.