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Nr. 180 A.H. Francke an Ph.J. Spener 17.10. 1699
von Erffurt 7 hat deswegen jüngst um einen Dienst bey mir angehalten 8 ; und Lic. Wolff 9 hat eo ipso nomine gar submisse an mich geschrieben 10 . Ich habe
15 aber dieses zu einer Gelegenheit gebraucht, ihm gar candide zu antworten. 11 So muß durch Gottes Verhengniß die Welt selbst etwas auff die Bahn bringen, damit sie sich selbst betrüget 12 , und in Furcht u. Angst setzet, ja vieler Hertzen Gedancken offenbar machet. 13
Das rescript de inspectione Scholarum ist mir heute vom Consistorio com-
20 municiret 14 , mit den promissen, daß Sie uns bey allem, was wir vorschlagen u. anordnen würden, schützen wolten. Ob die scholarchae Hallenses ihres theils nun etwas dagegen thun, oder acquiesciren werden, wird die Zeit lehren. Der Herr aber wird sein Werck wol fördern.
Die Sache mit D. Heylern 15 lieget mir hertzlich an, weil verhoffentlich so
25 gar vieler Gemeinen Heyl darunter versiret. 16 Es ist ja bey dem Herrn kein Ding unmüglich. 17 Herrn Lysium 18 wolte ich wohl nach Colberg wünschen 19 , der auch hoffentlich Herrn D. Heylern sehr wol anstehen würde. Gott öffne selbst den Weg, die gantze Sache mit erwünschtem success zu tractiren. Die Sache mit der Propstey zu Egeln ist magis privata 20 ; wäre aber wohl
30 gut, wenn sie zugleich zu einem mehreren und heiligeren Nutzen gedeyen könte. Herrn Syndfico] Hoffmann 21 ist eine Regirungs Raths=Stelle zu Darmstadt angetragen 22 . Den Mann solte man aus dem Lande nicht laßen. Er könte bey der Jugend und auch sonst hier mehr Nutzen schaffen, als bey jener Stelle, würde auch gern hier mit einer geringeren vor lieb nehmen. Doch
7 Gottfried Heinrich (s. Brief Nr. 110, Anm. 10).
8 Heinrich, der von seinem Amt als Pfarrer an St. Andreas in Erfurt aufgrund eines „crimen adulterii" offenbar zu Beginn der Jahres 1699 zurückgetreten war und sich seit 8 Monaten ohne Einkünfte in Merseburg aufhielt, bat Francke als vermeintlichen zukünftigen Inspektor der Kirchen des Herzogtums Magdeburg und des Fürstentums Halberstadt, ihm zu einer neuen Pfarrstelle zu verhelfen. Dabei hatte er genauer Eisdorf bei Halle im Blick, weil er meinte, daß Heinrich Julius Trost (s. Brief Nr. 168, Anm. 34) die Stelle nicht antreten würde (Gottfried Heinrich an Francke, Merseburg 8.10.1699, AFSt/H C 688: 1; zur Translokation Trosts nach Eisdorf vgl. Brief Nr. 168, Anm. 37).
,; Johann Joachim Wolf (s. Brief Nr. 61, Anm. 28).
10 Nicht überliefert.
11 Nicht überliefert.
12 Vgl. Gal 6,3.
13 Vgl. Lk 2,35b.
14 Zum Reskript wegen der Übertragung der Schulinspektion vom 18.9.1699 s. Brief Nr. 177, Anm. 24.
15 Günther Heiler (s. Brief Nr. 42, Anm. 30).
16 Francke meint wohl generell die Stellung Heilers in Pommern (vgl. Brief Nr. 179, Z. 8f).
17 Gen 18,14; Jer 32,17; Lk 1,37.
18 Wohl Johann Lysius (s. Brief Nr. 159, Anm. 7).
19 Zur Stellenbesetzung in Colberg vgl. Brief Nr. 179, Z. 9f.
20 Zur Frage der Besetzung der Propstei des Klosters Marienstuhl bei Egeln, an der Francke Interesse wegen seiner Besoldung als Theologieprofessor hatte, s. zuletzt Brief Nr. 179, Z. 24—28.
21 August Hoffmann (s. Brief Nr. 116, Anm. 36).
22 Wann Hoffmann die Stelle antrat, ist nicht überliefert.