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Nr. 181 Ph.J. Speneran AM. Francke 21.10.1699
auch die regirung hergeschickt, so ihm zu schlechter recommendation dienet. Gott regire ihn mit seinem geist, das er lerne seine affecten beßer zähmen, oder ich muß viel unbeliebiges von ihm besorgen: das ich gern abgewendet sehe. Herr D. Neuß 23 ist jetzo hie, wegen seiner u. ministerii sache mit dem rath 24 : dero einen beßern außgang von hertzen wünsche. Hiemit aber schließlichen göttlicher gnade empfehlende verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn Gevfatters] u. gelhebten] Bruders zu gebet u. liebe williger
Philipp Jacob Spener D. Mppria.
Berlin in eil den 21. Oct. 1699.
Den brieff nach Straßburg bitte freundlich den Herrn Großen, die ihres orts studiren 25 , zustellen, um Herrn Ruppen 26 nachzusenden, dann er ist eine recommendation vor denselben 27 , darum er mich gebeten.
44 /u. ministerii/.
23 Wohl Heinrich Georg Neuß (11.3.1654-30.9.1716), geb. in Elbingerode; 1677 Studium in Erfurt; 1683 Konrektor in Blankenburg, 1684 Rektor, in demselben Jahr Hof- und Schloßprediger in Blankenburg; 1690 Pfarradjunkt in Wolfenbüttel, 1692 Reiseprediger Herzog Rudolf Augusts von Braunschweig-Wolfenbüttel (s. Brief Nr. 45, Anm. 30), 1695 Superintendent in Remlingen; 1696 Dr. theol. in Gießen und seit 1696 Oberpfarrer an St. Sylvestri sowie Superintendent in Wernigerode (DBA 896, 65-84; ADB 23, 556 u. 28, 808; Jöcher 3, 888; EB 5, 808; Pfarrerbuch Braunschweig 1, 6. 151. 215; 2, 216). - Neuß veröffentlichte geistliche Lieder (Heb-Opfer zum Bau der Hütten Gottes: Das ist Geistliche Lieder [...]. Lüneburg 1692) und Johann Arndts „Vier Bücher vom Wahren Christentum" (Nordhausen 1697, Wernigerode 1699, Stolberg 1713). Er ist offenbar auch der Verfasser einer mit einer Vorrede Speners anonym veröffentlichten Schrift gegen Johann Simon (Examen Antilogiae Simoniae, Das ist Untersuchung des Widerspruchs, welchen wider [...] Philipp Jacob Spenern [...] wegen dessen Tractat genannt Behauptung der Hoffnung künftig besserer Zeiten [...] Hr. Johann Simon, [...] in seinem Ungrunde [...] angeführet [...], Frankfurt a.M. 1695; vgl. Grünberg Nr. 492).
24 Nicht ermittelt. Vermutlich handelte es sich um Auseinandersetzungen, die aus Neuß' pro- pietistischer Haltung resultierten.
25 Andreas Groß (gest. 31.7.1757), geb. in Straßburg; Studium 1695 in Straßburg (1698 Mag.), 1698 in Leipzig; 16.5.1699 immatr. in Halle, wo er eine Bekehrung erlebte und sich mystischen Lehren zuwandte; Hauslehrer in Esslingen, ab 1707 Hauslehrer und Buchhändler in Frankfurt a.M., einflußreichste Gestalt der Frankfurter Separatisten und Verbreiter radikalpietistischen Schrifttums (Matrikel Halle, 187; Th. Wotschke, Der Separatist Andreas Groß in Eßlingen, in: BWKG 37, 1933, 208-228; Schneider 2, 159. 191 u.ö.; ders., Rezension zu: Johann Heinrich Rock, Wie ihn Gott gefuhret und auf die Wege der Inspiration gebracht habe [...], hg. U- M. Schneider, Leipzig 1999 [KTP 1], in: PuN 26, 2000, 252-256, hier 254). - Dessen Bruder Johann Daniel Groß, 1692 Studium in Straßburg (1696 Magister), 1698 in Leipzig; ebenfalls 16.5.1699 immatr. in Halle; 1700 bis mindestens 1714 Informator in Regensburg (Matrikel Straß- burg 1, 382. 557; Matrikel Leipzig, 145; Matrikel Halle, 187; Tu. Wotschke, Neue Urkunden zur Geschichte des Pietismus in Bayern, in: ZBKG 9, 1934, 234-252; Brief Nr. 216, Z. 9f und Anm. 11; Briefe vonJ.D. Groß an Francke aus den Jahren 1700-1714, AFSt/H C 23: 11-61).
26 Johann Friedrich Roupp (1.3.1672-26.5.1708), geb. in Straßburg; 1689 Studium in Straßburg (1692 Magister), 1696 in Leipzig, 1698 in Halle; 1699 Informator am Paedagogium Regium in Halle, dann Diakon in Breuschwickersheim und Lampertheim, 1700 Pfarrer in Fürdenheim,