Nr. 182 A.H. Francke an Ph.J. Spencr 21. 10. 1699
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werden 7 cum spe successionis, weil dieser ihn bißhero sehr urgiret, ihn zum Adjuncto zu haben. Sie laßen sichs aber gleich viel seyn, wenns nur ein guter 10 Mann wäre. Meine Gedancken wären wohl auff Herrn Wellmern zu Schermicke 8 gerichtet, wenn er nicht alzu verhast ist. Denn der Mann ist gewiß einer inspection wehrt, hat viel Erfahrung, und hat große Treue bewiesen. Auch sind meine Gedancken auff Herr Zeisium 9 gegangen; item auff den Herrn Lackmann 10 . Ob nun in der Sachen, darinnen periculum in mora 11 ist, 15 bey dem Herrn von Fuchß 12 etwas zu thun, gebe ich anheim. Gott laße aus Erbarmung über so viele Seelen, etwas gutes geschehen zu seinem Preiß.
Sonst haben wir hier die Nachricht, daß Herr M. Süße solle gestorben seyn 13 . Gestern habe ich Herrn Bernstein Pfarrern zu Domnitz 14 2 Meylen von hier, ehemaligen Informatori unsres Paedagogii, einem sehr theuren 20 Gefäße Gottes, die Leichen=predigt gehalten 15 . Es mag jetzo zu Venedig eine Veränderung mit dem Evangelischen Prediger 16 vorhanden seyn 17 , daher ich und sonderlich solche Gemeine Mfeines] th[euresten] Vfaters] Gebeth anbefehle. Herr Pommer 18 u. Herr Matthias Lauber 19 sind Gottfürchtende
9 werden cum ] werden. Cum: D. 11 wäre: cj ] wäre: A.
heilige Wunder-Buch von Jesu Christo [...], o.O. 1675, 2 1694) und edierte Luthers Bibelübersetzung (Biblia, Das ist: Die gantze Heilige Schrifft [...], Stendal 1702).
7 Adjunkt Bernhardis wurde im Jahre 1700 Johann Christoph Meurer (s. Brief Nr. 21, Anm. 18).
8 Johann Weimer (s. Brief Nr. 177, Anm. 26).
9 Philipp Christoph Zeise (s. Brief Nr. 79, Anm. 14).
10 Petrus Lackmann (s. Brief Nr. 157, Anm. 10).
11 Lat. Gefahr im Verzug.
12 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).
13 Francke hatte aus einem Brief von Wilhelm Hieronymus Brückner aus Jena vom 23.10.1699 erfahren, daß Heinrich Süße (s. Brief Nr. 7, Anm. 33) am 13.10.1699 gestorben war (AFSt/H D 90: 542-545, hier 544).
14 Christian Andreas Bernstein (12.7.1672-18.10.1699), geb. in Domnitz bei Könnern; 1695 Studium in Halle und Informator am Paedagogium Regium; 1697 Pfarrsubstitut in Domnitz (DBA 91, 396-403; ADB 2, 484; BBKL 1, 544; Matrikel Halle, 30; AFSt/S A I 194, 9; Dreyhaupt 2, 897; Pfarrerbuch KPS 1, 319). - Bernstein komponierte geistliche Lieder, die in Freylinghausens Gesangbuch (s. Brief Nr. 94, Anm. 5) aufgenommen wurden (vgl. Koch 4, 365f).
15 Nicht ermittelt.
16 Nach den Angaben Heinrich Friedrich Franckes handelt es sich um einen Prediger mit Namen Mayer aus Augsburg, der Francke in Leipzig kennengelernt hatte (vgl. Heinrich Friedrich Francke an August Hermann Francke, 29.2.1692, AFSt/H C 10: 1). Es muß sich deshalb um Christoph Georg oder Johann Mayer (Meyer) aus Augsburg handeln; ersterer studierte seit 1679 in Leipzig (1684 Magister), letzterer wurde 1689 immatrikuliert (Matrikel Leipzig, 283 bzw. 281).
17 Welche Veränderung Francke hier meint, ist nicht klar, da Mayer offensichtlich im Amt blieb (vgl. Heinrich Friedrich Francke an August Hermann Francke, z.B. 6.1.700, AFSt/H C 10: 15).
18 Johann Christoph Pommer (gest. 1.8.1708), Kaufmann in Venedig, der das Hallesche Waisenhaus mit Spenden unterstützte (vgl. Heinrich Friedrich Francke an August Hermann Francke, 14.2.1698, AFSt/H C 10: 8 u.ö.; A.H. Francke, Die VI. Fortsetzung Der Wahrhaften und umstaendlichen Nachricht vom Waeysen=Hause und uebrigen Anstalten [...], Halle 1709