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Nr. 185 Ph.J. Spener an A.H. Francke 9.12.1699
wider die Wahrheit etwas reden oder schreiben dörffen, aber auch nicht alle Wahrheit zu allen Zeiten zu sagen schuldig seyen, sondern auch von einigen
20 zuweilen schweigen sollen, wann dero Vortrag anderen guten mehr schaden thun kan. Der Herr thue aber nicht nach unsrem sondern seinem willen, und gebe uns denselben zu erkennen. 5
Im übrigen weil hie geredet wird, das sich bey ihnen ein junger Schlesischer edelman so mit in den anstalten erzogen werden sollen, dem teuffei ver-
25 schrieben haben solte 6 : und aber wo es weit eclattirte 7 , viele lästerungen auffs neue verursachen möchte, denen nach vermögen vorzukommen, so bitte mich bald, was dran oder nicht, zuberichten, damit wo darvon hörte, nach der Wahrheit begegnen könne. Was die einlage anlangt, hat sich der arme Mann beruffen, wo ihm etwas schicken wolte, das es durch wehrten Herrn
30 Gev[attern] geschehen könte. x Wormit denselben u. gantzes geliebtes hauß in des Himlischen Vaters treue obhut u. regirung hertzlich empfehlende verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn Gevfatters] und gelfiebten] Bruders zu gebet u. liebe williger 35 Ph[ilipp] J[acob] Spener D. Mppria.
Berlin den 9. Xbr. 1699
Herren Herren August Hermann Francken Sanctissimae Theol[ogiae] pro- fjessori] publico bey hochlöbl[icher] universitet zu Halle, und pastori der gemeinde zu Glauche. 40 Halle. Francö.
5 Vgl. Mt 6,10; Lk 22,42.
f> Nicht ermittelt. Von 1695 bis 1699 sind in den Paedagogiumslisten insgesamt 15 Schüler aus Schlesien erwähnt (AFSt/S A I 194: 125f. 129. 133f. 137). Es finden sich aber bei keinem Schüler Hinweise auf den hier erwähnten Vorgang und eine Entlassung aus dem Paedagogium (vgl. Brief Nr. 186, Z. 16-25).
7 S. Brief Nr. 59, Anm. 24.
8 Gemeint ist offenbar ein Brief an Johann Heinrich Gotter in Eisleben (s. Brief Nr. 186, Z. 3f und Anm. 2).