Nr. 189 A.H. Francke an Ph.J. Spener 30. 12. 1699

673

Consistorial-Rath Stelle recommendiret haben 11 , der es auch nicht weit weggeworffen. Solte dieses geschehen, und man also diesen geschickten und treuen Mann im Lande behalten können 12 , würde wol ein sehr großer Nutzen dem Lande und insonderheit dem Kirchen=Wesen daher zu hoffen seyn. 15

Die Sache mit dem Ministerio wird nun verhoffentlich ohne großer dif- fkultaet abgethan werden können 13 , denn die Herren Regirungs=Räthe werden so blind nicht seyn, daß sie nicht sehen solten, daß es nur auff viel größere prostitution der ministerialium außschlagen werde, wenn man zu hart in mich dringe, sonderlich da Herren Ministeriales ihre privat-Rache 20 so schändlich ausgeubet wieder alles verboth 14 , daß sie dadurch ihre Sache sehr verdorben. Ich habe aber meine letzt eingegebene Schrifft placidissime abgefasset und meistens aus ihrem eigenen Geständniß Sonnen klaren Beweiß geführet. 15 Ich hielte davor wann S[eine] Excfellenz] der Herr von Fuchß jetzo nur so viel thun wolten, durch ein Hand=schreiben an Herrn Vice- 25 Cantzler 16 oder auch an Herrn von Dießkau 17 zu begehren, daß man nur de­nen Ministerialibus zu reden und dann beide parteyen Vorbescheiden, und sie mit einander vergleichen möchte mit dem Bedeuten, daß das Hochlöbliche Consistorium schon ferner selbst dafür sorgen wolle, daß niemand sich einiger Kränckung halber zu beschweren Ursache finden, und sonst alles in gute Ord- 30

27 und] + (ihre...(?)>.

" Gemeint ist die durch den Tod von Olearius (s. Anm. 1) freigewordene Konsistorialrats- stelle.

12 Zur Übernahme der Konsistorialratsstelle durch Hoffmann kam es nicht, sondern Wolfgang Melchior Stisser (s. Brief Nr. 81, Anm. 10) trat auch in diesem Amt die Nachfolge von Olearius an.

13 Francke hatte sich nicht zuletzt wegen des Todes von Olearius schon am 12.12.1699 in der Sache seiner Auseinandersetzungen mit dem Stadtministerium zuversichtlich gezeigt (s. Brief Nr. 186, Z. 3ff). Inzwischen hatte er durch die vom Kurfürsten gebilligte Anfrage bei Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52), den Streit zu schlichten (s. Brief Nr. 188, Z. 16-30), neuen Grund zu Optimismus. Schließlich hielt er seine vor kurzem beim Konsistoriuni eingegebene Stellungnahme offensichtlich für hinreichend (s. Z. 22-24 und Anm. 15). Von Fuchs hingegen hatte zunehmende Vorbehalte gegenüber Franckes Position und schätzte die Lage keineswegs optimistisch ein (vgl. dessen Briefe an Francke vom 2. und 7.1.1700, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 9, Bl. 52-54 u. 22f).

14 Gemeint ist das Schreiben der Stadtgeistlichen vom 16.10.1699, in dem sie gegen das kurfürstliche Reskript vom 8.9.1699 (s. Brief Nr. 176, Anm. 4) die Fortführung der Streitsache mit Francke zur Wiederherstellung ihrer Amtsehre forderten (s. Brief Nr. 184, Anm. 7).

15 Franckes auf die ursprünglich schon vom 17.11.1699 datierende Aufforderung des Kon­sistoriums zu einer Stellungnahme (s. Brief Nr. 185, Anm. 4) eingereichtes Schreiben datiert vom 21.12.1699 (UA Rep. 27, Nr. 1081, Bl. 101-130; AFSt/H D 95: 243-290. 291-360 [Ab­schriften]). Darin nahm er die in seinemBekenntnis" vom 27.4.1699 gegen das Stadtministeriuni erhobenen Vorwürfe (s. Briefe Nr. 161, Anm. 1 und Nr. 184, Anm. 16) nicht zurück, sondern signalisierte lediglich formal Versöhnungsbereitschaft.

16 Gottfried Stößer von Lilienfeld (s. Brief Nr. 141, Anm. 10).

17 Carl von Dieskau (s. Brief Nr. 178, Anm. 10).