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Nr. 208 Ph.J. Spener an A.H. Francke 14. 4. 1700
208. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 14. April 1700
Inhalt
Sendet Antwort auf Anfrage aus Essen zurück. - Überbringer des Briefes ist Christopb Stürmer, der zum Diakon in Könnern benannt ist.
Uberlieferung
A: AFSt/H A 125: 108 D: Kramer, Beiträge, 446
Von unsrem aufferstandenen Siegesfürsten Jesu Christo leben, sieg und friede!
In demselben hertzlich geliebter Bruder, Hochwehrter Herr und Gevatter.
Die zeit läßet kaum etliche Zeilen zu, ohne das hiemit das communicirte stück des resp[onsi] in causa Essendfiensi] 1 mit dancksagung zurücksende. Der Himmlische Vater gebe zur außfertigung des rests 2 gleiches maaß des geistes, so solle es nach seiner gnade nicht ohne frucht bleiben. Er regire nun auch das bey ihnen vorseyende 3 nach seiner güte und weißheit, zu dero herlichen offenbahrung.
Hiemit komt Herr Stürmer 4 zu ihnen von Herrn geh[eimen] R[ath] von Schweinitz 5 zum diaconat nach Cönnern dem rath, den er in beforderung des von ihnen recommendirten Herrn Tegels 6 gewillfahret, denominiret. 7 Wir verliehren nunmehr eine weil her alle unsre alte studiosos durch beforderung,
' Franckes Antwort auf die Anfrage des Essener Magistrats vom 8.12.1699 (s. Brief Nr. 194, Anm. 1 und 3f), die er Spener am 16.3.1700 zugesandt hatte (s. Brief Nr. 199, Z. 9f).
2 Vgl. die endgültige Antwort der theol. Fakultät Halle vom 19.4.1701 (s. Brief Nr. 194, Anm. 3).
3 Die am 13.4.1700 begonnene Untersuchungskommission (s. Brief Nr. 207, Anm. 3).
4 Christoph Stürmer (s. Brief Nr. 206, Anm. 17).
5 Georg Rudolph von Schweinitz (s. Brief Nr. 30, Anm. 5). f> Immanuel Tögel (s. Brief Nr. 168, Anm. 36).
7 Zur Diskussion um die Nachfolge für Caspar Bartholomäus Schräder (s. Brief Nr. 16, Anm. 36) s. Briefe Nr. 200, Z. 19-37, Nr. 202, Z. 15-42, Nr. 203, Z. Sffund Nr. 204, Z. 16-18. Daß von Schweinitz statt des von Francke vorgeschlagenen Tögel Stürmer zum Nachfolger bestimmte, hing offenbar damit zusammen, daß er über die Abschaffung der Meßgewänder und des Exorzismus in Glaucha entrüstet war und befürchtete, daß von Francke beeinflußte Theologen sich generell nicht an die üblichen kirchlichen Zeremonien halten und somit Unruhe verursachen würden (s. Brief Nr. 206, Z. 31-47). Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1), der mit Stürmer ebenfalls einen vom 14.4.1700 datierenden Brief an Francke sandte, betont, daß er für Könnern auch einen anderen Kandidaten (Christian Schräder, s. Brief Nr. 203, Anm. 7) bevorzugt habe; von Schweinitz aber habe „aus einigen Ursachen, so ich vielleicht dermahleins mündlich eröfnen kan, ein anderß gefallen" (Canstein an Francke, 14.4.1700, Canstein/Francke, 82f, hier 82).