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Nr. 231 AM. Francke an Ph.J. Spiner 15.2. 1701
so bekannt seyn. Wann der Herr Baron von Canstein 6 wieder nach Berlin kommt 7 , soll Er von diesen und andern gar wichtigen Umbständen, vertrauliche Nachricht mitbringen 8 .
Für das überschickte Tractätlein wieder die Socinianer dancke ich hertzlich 9 , und wünschte, daß es ins Lateinische übersetzt wäre, umb der auswärtigen willen, oder daß aus allem, was dißfalls bißhero ediret worden, ein lateinisches zusammen gezogen würde 10 , welches meines Erachtens Herr M. Lange 11 dort am besten thun könte, welchem auch beygehenden Brief an Herrn Schöningen 12 , in Ermanglung anderer Gelegenheit, bestens zu recom- mendiren, und den an die Frau Zornin 13 , ihr zuzusenden bitte; mit innigem Gruß und Seegen, an die wertheste Frau Gevatterin und das ganze Hauß
20 an (..?.
1700 hatte Andreas Ingolstadter (1633—1711) Spener von Exercitia Pietatis mit großem Zulauf in Nürnberg berichtet (vgl. Ingolstädter an Spener, 24.12.1700, AFSt/H C 202: 3). Francke erwähnt Nachrichten aus Nürnberg, Augsburg und Regensburg schon in einem Brief an von Canstein (s. Anm. 6) vom 4.1.1701 (Canstein/Francke, 105). Nachweisen lassen sich nur Briefe an Francke von Johann Daniel Groß (s. Brief Nr. 181, Anm. 25) aus Regensburg (vgl. Brief Nr. 216, Anm. 11): Seit Dezember 1700 berichtete dieser von einzelnen Bekehrungen, täglichen Betstunden im Hause Johann Hillers von Gärtringen (s. Brief Nr. 216, Anm. 12) sowie einer wachsenden Zahl von Teilnehmern an den von ihm und Heinrich Gottlieb Leutholf (s. Brief Nr. 203, Anm. 11) gehaltenen „Sonntagsübungen" (AFSt/H C 23: 21—28). Zur weiteren Entwicklung in Regensburg s. Briefe Nr. 232, Z. 3—7 und Anm. 2 und Nr. 234, Anm. 1 bis 3.
6 Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1).
7 Von Canstein kam auf der Rückreise von seinem Gut Canstein nach dem 14.2.1701 nach Halle und kehrte vor dem 5.3.1701 nach Berlin zurück (vgl. von Canstein an Francke, Canstein, 14.2.1701 und Berlin, 5.3.1701, Canstein/Francke, 109-111).
8 Von Canstein berichtete Spener insbesondere von den Ereignissen in Regensburg (vgl. von Canstein an Francke, 5.3.1701 [s. Anm. 7], 110).
9 Tatsächlich hatte Spener Francke keine Schrift gegen die Sozinianer, sondern „Daß unser HErr JEsus Der wahre Messias oder Christus seye [...]" (s. Brief Nr. 230, Anm. 13), zugesandt (vgl. Brief Nr. 233, Z. 9-15).
10 Ein entsprechender Druck läßt sich nicht nachweisen.
11 Joachim Lange (s. Brief Nr. 55, Anm. 30).
12 Christian Gottfried Schöning (gest. 2.2.1705), geb. in Stargard; 1695 Studium in Wittenberg und Halle, 1697 Informator am Paedagogium Regium; 1700 Rektor des Gymnasiums in Neustettin (Matrikel Wittenberg, 308; Matrikel Halle, 384; F. Woken, Beytrag zur Pommerischen Historie/ Mehrenteils Aus geschriebenen Urkunden und Jahr=Buechern, Leipzig 1732, 110—112). — Ein entsprechendes Schreiben Franckes an Schöning ist nicht überliefert. Zur Identifikation der Person vgl. aber Brief Nr. 233, Z. 16—18.
13 Wohl Ursula Maria Zorn, geb. Bernhard (28.7.1674-begraben 20.2.1711); seit 1692 Ehefrau des Berliner Handelsmannes und Apothekers Friedrich Zorn; 1697/98 in die Auseinandersetzungen um Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) verwickelt (J. Lysius, Den zwar schweren doch seligen Lauff Eines Christen/ Auf dem rechten Himmels=Wege/ Wolte/ Bey [.;.] Beerdigung Der [...] Frauen Ursulen Marien Bernhardin [...] beschreiben [...], Berlin [1711] mit selbstverfaßtem Lebenslauf aus dem Jahre 1698 [81—144]). Der Anhang der Leichenpredigt enthält neben dem Lebenslauf u.a. „Geistliche Betrachtungen/ Welche aus ihren Diariis herausgezogen/ [...]" (156-332) und ein von Zorn verfaßtes „Erweckungsschreiben" (332-342). - Briefe Franckes an Frau Zorn sind nicht überliefert.