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Nr. 249 Ph.J. Spater an A.H. Franckc 1. 7. 1702
Er stellte endlich seine absieht vor, daß weil zwischen dem ministerio u. der Theol. facultet so gar eine schlechte harmonie wäre, das er hoffte und wünschte das mittel der stifftung einer beßern werden möchte, welches alsdan geschehen könte, wann ihm die Herren professores potestatem collegia (ab-
15 sonderlich gedachte er homileticorum) zu halten, geben, dann da könte er alsdann in näherer familiaritet mit der facultet stehende, einen zeugen dero Orthodoxie bey dem ministerio abgeben. Ich habe ihm gleich die unmüg- lichkeit entgegen gehalten, in dem mans bißher Herrn D. Stißern 7 , der doch wegen des dar genommenen gradus eine mehre praetension dazu vor sich
20 allegiren könte, constanter versagt, und Königlich] dagegen implorirt. Da- rauff excipirte er zwahr, Herr D. Stißer hätte sich deßen, weil er außtrücklich wider die facultet gelesen, deßen unfähig gemacht: das man von ihm nicht sagen könte. Ich zeigte aber, das sich Herr D. Stißer darmit nicht abweisen laßen würde, und es keine thunliche sache seye, dero doch nachdencken
25 wolte. Weil ich nun sorge, das er seine intention weiter poussiren werde, u. auff s[eine] seite Herrn praesident von Danckelmann 8 u. Herrn v. Diskau 9 gezogen haben mag 10 , habe nicht allein darvon part geben wollen, sondern verlange, mit mehrerm instruirt zu werden, was s[einem] fernem ansuchen entgegen zu halten.
30 Hingegen sehe gern, das neulich vorgeschlagener maßen die sache wegen Herrn Buddei 11 um in der schulkirchen zu predigen zu werck gerichtet werden könte. 12 Wormit göttlicher obhut u. regirung treulich erlaßende verbleibe
Meines Hochgeehrten Herrn Gev[attern] u. gelfiebten] Bruders zu gebet 35 u. liebe williger
Philipp Jacob Spener D. Mppria.
Berlin den l.Jul. 1702.
19 /des/. 20 Königlich] ] + Schutz: D.
Pfarrer in Modern (Slovakei); 1697 Pfarrer in Preßburg, 1700 Pfarrer an St. Ulrich in Halle; ab 1707 Propst an St. Petri in Berlin (DBA 1124, 119-122; Matrikel Wittenberg, 305; Matrikel Rostock 3, 304; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 772; Auskunft Pfarrerkartei der KPS).
7 Wolfgang Melchior Stisser (s. Brief Nr. 81, Anm. 10).
8 Daniel Ludolf von Danckelmann, seit 1702 Konsistorialpräsident (s. Brief Nr. 82, Anm. 3).
9 Carl von Dieskau (s. Brief Nr. 178, Anm. 10).
10 Schnaderbach hatte nachweislich bereits Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21) und Breithaupt (s. Anm. 13) in die Angelegenheit einbezogen (vgl. Schnaderbach an Stryck, 20.5.1702, UA Rep. 27, Nr. 1033, 28).
" Johann Franz Buddeus (s. Brief Nr. 131, Anm. 15).
12 Eine Predigterlaubnis für Buddeus konnte nicht nachgewiesen werden.