EbenEzer den 14 Mertz 1760
Copia
 
 
Hochwürdiger und Hochgelahrter,
In unserm allerliebsten Heylande theuergeschätzter Herr Doctor,
 
 
Die Güte des HErrn ist, daß wir nicht gar aus sind : und seine Barm-
hertzigkeit hat noch kein Ende. Mit diesen tröstlichen Worten fange
dieses mein geringes Schreiben an Euer Hochwürden, meinen theuersten
Vater in Christo an, weil mein Hertz voller Verwunderung über die Güte
und Barmhertzigkeit unsers guten Gottes ist, die wir in Beschützen und Wohlthun
geistlich und leiblich zu dieser gefährlichen Zeit so reichlich erfahren. Ach ia!
Wir hätten wol Ursach uns ohn Unterlaß im Loben und Dancken finden
zu laßen, und uns selbst fleißig zur Vergnügsamkeit und wahren De-
muth zu erwecken. Aber wie ist doch das arme Hertz auch bey allen Uber-
zeugung von dem Reichthum der uns wiederfahrnen Güte, Geduld und
Langmüthigkeit Gottes, dennoch offtmalen zum Lobe Gottes so träge,
daß man an demselben gnung zu treiben hat, wenn man nicht zurücke
bleiben will. Doch wir erfahren, daß der treue Gott redlichen Hertzen
auch in solchem Kampf Krafft und Sieg verleihet.
Ehe ich etwas mehrers von uns melde, gedencke zuerst, wie ich die wichtige
Nachrichten, welche wir in dem letzten Jahre aus Deutschland bekommen,
so angesehen habe, daß uns darinn viele Materie zur ernstlichen und demü-
thigen Fürbitte gegeben sey, für unser bedrängtes Vaterland, die pro-
testantische Kirche, für die Brandenburgische Länder und insonderheit
für das liebe Halle und die werthen Anstalten des Waysenhauses da-
selbst, welche letztere mir an meinem geringen Theil wol sonderlich im Gemüthe
waren, wenn ich mein armes Gebet vor Gott brachte. Zugleich aber bekamen
wir auch Ursachen, den himmlischen Vater mit kindlichen Hertzen und in
 
Herrn D. Franckens Hochwürden