Copia EbenEzer den 22 May 1760
 
Hochwürdiger und Hochgelahrter,
In Christo Theuergeschätzter Herr Doctor,
 
 
Mein geringes Schreiben an Euer Hochwürden von 14 Mertz hat
bisher aus Mangel einer Gelegenheit nicht abgeschickt werden können,
daher will dieses noch mit beylegen.
Durch Gottes Barmhertzigkeit haben wir die wichtige Fasten-Zeit
und das erfreuliche Osterfest in vielen Segen, Gesundheit und Frie-
den zurückgelegt, und nun breiten wir uns auf das Heilige Pfingstfest
zu. In der Fasten-Zeit schenckte der HErr mir und den Meinigen
manche Erbauung aus des seligen Herrn Prof. Franckens öffentlichen
Reden über die Passions-Historie des Evangelisten St. Marci,
und im Osterfest machten wir uns des Herrn von Bogatzky gottselige
Betrachtungen über die Auferstehung Jesu Christi zu Nutze, welche
derselbe mir vorlängst als ein Geschenck übersandt hat. Jetzo aber
machen wir es so mit deßen Leben im Geiste. Diese unsere
einfältige Ubung begleitet der HErr mit Segen nach seiner Ver-
heißung: Ich will die müden Seelen erquicken und die bekümmerten
Seelen sättigen. Desgleichen: Die Hungrigen füllet er mit Gütern. Wer
hungrig ist, der suchet, wer suchet der findet; das läst uns der treue
Gott auch hier erfahren.
Gleichwie wir aber die in Händen habende erbauliche Schrifften zur
Ubung der Gottseligkeit anwenden, also erwecken wir auch unsere
 
Herrn Doct. Franckens Hochwürden