Scharschmidt Übersetzung S. 618-619

[618]
In dem Brief, den unlängst Herr Weide mit sich genommen und dir, überaus ehrwürdiger Mann, ohne Zweifel jetzt schon übergeben hat, habe ich erwähnt, dass ein junger Mann aus einer hier nicht unbekannten Familie darauf brenne, einen Studenten als Gefährten für die Reise nach Sibirien bei sich zu haben, von dem er weiter in der Philosophie unterrichtet werden könne. Bis jetzt hat er mich auf vielfältige Weise zu dieser Reise zu erweichen versucht. Und ich ringe deshalb mit mir, und es fehlt nicht viel, dass ich mich dazu bewegen lasse mitzureisen, was auch immer an Gefahr sich dahinter verbergen mag, wie andere sagen. Doch siehe, während ich unschlüssig bin, bietet sich mir jedoch noch eine andere Sache von nicht geringerer Bedeutung dar, indem ein Freund aus Narva berichtet, dass es dort viele gebe, die über meine schnelle Durchreise durch ihre Stadt betrübt sind, dagegen aber beschlossen haben, mich demnächst von hier zu sich zu berufen, um mich zum Außerordentlichen Pastor zu machen. Er fügt hinzu, dass die beiden Pastoren (deren einer, Herr Mag. Herbers, aus gesundheitlichen Gründen nicht so häufig predigt) von ihrem König unterhalten werden, ich aber von den Bürgern unterhalten werden müsse, und verspricht, dass er in Kürze die Namen derjenigen schicken werde, die sich in einmütiger Übereinstimmung auf meine Berufung stürzen und sich verpflichten, alljährlich, wie sie übereingekommen seien, etwas für meinen Unterhalt aufzuwenden. Der erwähnte Freund drängt mich, dass ich ihm meinen Plan eröffne. Aber ich weiß dennoch nicht, was ich tun und was ich antworten soll, mag nun auch jene Sibirienreise aufgegeben sein, und das nicht so sehr aus diesem wie aus anderen Gründen, von denen ich vielleicht später einmal schreibe. Ich habe beschlossen, in meinem Antwortbrief nichts Bestimmtes zu versprechen, sondern, wenn das Berufungsrecht bei diesen Bürgern liegt,

[619]
auf ein weiteres und schlüssigeres Berufungsschreiben zu warten. Unterdessen bitte ich dich, überaus ehrwürdiger Mann, immer wieder, dass du mir auch deine Ansicht darlegen mögest, wenn es die Umstände erlauben, ob du mir zustimmst oder anders denkst und ob du mir rätst, diese Gegend zu verlassen, wenn mir eine Berufung anderswohin angeboten worden ist. Darum, dass ein Student, wie ich geschrieben hatte, zu den sogenannten Eisenwerken kommen soll, musst du dich jetzt nicht weiter kümmern, da sich ein livländischer Pastor für diese Aufgabe angeboten hat, den sie in Kürze dort aufnehmen und behalten werden. Damit lebe wohl! Und höre bei künftiger Gelegenheit, wenn Gott sie gibt, die Gründe für meinen veränderten Schreibstil (warum ich sonst deutsch und jetzt lateinisch schreibe)! Und immer wieder lebe wohl!

Übersetzung: Thomas Hübner

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