Scharschmidt Übersetzung S. 644-645

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Amsterdam, 1. Mai 1697.
– – In Anbetracht deiner Leidenschaft für die Kirche, die der Leib Christi ist, meine ich, dass dir dies nicht unwillkommen sein wird. Möge Gott wirken, dass es dir zum Ansporn dient, umso eifriger und beharrlicher die Kräfte, die dir der oberste

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Haushalter gewährt hat, dem Ziel zu weihen, auf das Eph 4,13 gerichtet ist, damit dadurch die Braut Christi mehr und mehr geschmückt und für die Hochzeit mit ihrem alles vollendenden Bräutigam passend hergerichtet wird. Ich schicke dir bei dieser Gelegenheit meine versprochene Grammatik. – Die Anfänge aller menschlichen Dinge leiden an vielen Unvollkommenheiten. Es wird mir willkommen sein, wenn meine Fehler Anlass für ein vollkommeneres Werk bieten werden. Mögen andere erproben, wie große Fortschritte jemand im ersten Jahr in der russischen Sprache machen kann, wenn er aller Hilfsmittel zum Erlernen der Sprache beraubt ist. – Lebe wohl und sei mit reinem Herzen dem gütigen Schutz durch den barmherzigsten Vater anempfohlen!
Derselbe; Halle, am 7. Dezember 1697.
– – Ich kann es kaum beschreiben, wie sehr mich die großartigen Erfolge getröstet haben, mit denen seine (Franckes) Bemühungen vom Höchsten gesegnet werden. Und ich leugne nicht, dass meinem Glauben viel Kraft zugewachsen ist, seitdem es möglich war, die wunderbaren Werke der göttlichen Vorsehung näher zu betrachten, die in den Unternehmungen unseres genannten Freundes sichtbar geworden sind. Durch sein Beispiel und seine Worte werde ich ermutigt, mich ganz demjenigen hinzugeben, der mir seit meiner Geburt bis zum heutigen Tag so viel Gutes getan und mich aus so vielen und großen Gefahren, ja sogar aus dem Schlund des Todes väterlich errettet hat. Ich habe mir vorgenommen, den Winter hier zu verbringen, und ich werde vielleicht keine unnütze Mühe aufwenden, wenn ich meinen einen oder anderen Freund aus England Herrn Francke anempfehle, damit sie ihre Pläne zur Förderung des Gemeinwohls vereinigen und der dem einen oder anderen gewährte göttliche Segen anderen um so leichter zur Ehre Gottes bekannt wird. Mit großer Gunst wurde ich vom Zweiten Russischen Gesandten F. A. Golowin empfangen, und da ich erkannte, dass er die Veredelung der begabten Geister seines Volkes ersehnt, riet ich ihm, den einen oder anderen begabten jungen Mann hierher zu schicken. Denn die Jugend werde hier mit einer besseren Methode als der, die gemeinhin in Gebrauch ist, an die Hand genommen und zu nützlichen Kenntnissen geführt. Er schien den Rat nicht zu verachten, doch sehe ich selbst, dass die Sache mit größten Schwierigkeiten verbunden ist, zu deren Überwindung der Allmächtige aber die Mittel leicht zur Verfügung stellen kann. Eben erst ließ der genannte Gesandte seinen Sohn und seinen Bruder studienhalber in Berlin zurück. Möge Gott wirken, dass sie weisen Unterricht genießen. Ich bin begierig zu wissen, wie der Stand deiner Dinge ist. Wenn es mir erlaubt wäre, der göttlichen Vorsehung ein Ziel zu setzen, wünschte ich, dass du in Moskau in ein kirchliches Amt eingesetzt wirst. Jener Ort hat geeignete Arbeiter nämlich sehr nötig. Möge der Herr für sein Erbteil in jener Gegend sorgen, wenn die dafür bestimmte Zeit gekommen ist. In Amsterdam besprach ich mich mit Herrn Adam Weide, der wenige Tage vor meiner Abreise aus Wien eingetroffen war. Mit großer Freude erfuhr ich von ihm, dass du ihm während seiner Krankheit christliche Liebesdienste erwiesen hast, die er sehr lobt.

Übersetzung: Thomas Hübner

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