Scharschmidt Übersetzung S. 739

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Welche Entscheidung das Konsistorium von Narva schließlich über mich getroffen hat, hast du aus dem neulich am 9. Juni geschriebenen Brief erfahren. Seitdem habe ich aufgehört, die Sache mit Eifer zu betreiben, sondern habe sie vielmehr Gott anvertraut, dem Lenker aller Dinge. Andere meinten, dass ich mich an Stockholm wenden solle, und versprachen, die Kosten dafür zu übernehmen, aber ich verließ unverzüglich, gleich nachdem das Konsistorium seine Entscheidung getroffen hatte, zu ihrer Verwunderung die Stadt und ging den Weg zurück, auf dem ich gekommen war, zumal ich vom Superintendenten vernahm, dass der König derartige Angelegenheiten an das Konsistorium zurückzuverweisen pflege, damit es nach seinem Belieben entscheide. Gott sei ewig Lob und Ehre, dass er, mögen auch die ihm Ergebenen in gewissem Sinne bedrückt werden,

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dennoch nicht zulässt, dass sein Wort unterdrückt wird, ja vielmehr gnädig befiehlt, dass es weiter wächst und überall üppig gedeiht. Es werden in der Tat nicht wenige erweckt, die der Suche nach der himmlischen Wahrheit größere Aufmerksamkeit widmen. Durch göttliche Güte ist es dazu gekommen, dass anstelle von Mag. Beßer der Student Herr Michaelis von diesen Evangelischen voll Unruhe begehrt wird, der jetzt in Stockholm weilt und den ich Herrn Kommissar Vinhagen brieflich empfohlen hatte. Dieser Student, den mit einem Brief zu unterstützen mir aufgetragen wurde, ist in Halle erzogen worden und mit mannigfaltigen Gaben ausgestattet. Ich hoffe, wenn es Gott gewährt, eure Dinge demnächst in Augenschein zu nehmen, bereite meinen Weggang von hier vor und wünsche, in Kürze bei dir und den Deinen zu sein. Lebe wohl! – –
Übersetzung: Thomas Hübner

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