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VI. Predigten
daß sie falsche Propheten und Verführer des Volcks seyn. Umb deßwillen aber ist nun auch von nöthen / daß GOttes Geist nicht schweige. Denn scheuet sich der Lügen-Geist nicht / daß er seine Lügen und seinen Gifft so frech und frey unter denen Menschen ausstreue / und sie warne für den wahrhafftigen Nachfolgern Jesu Christi / und denjenigen / die das Volck gedencken heraus zureißen aus dem Verderben: Wie sollte es wahren Knechten GOttes an der Parrhesie und Freudigkeit fehlen zuverkündigen nach dem Sinn JEsu CHristi / welches da sind die falschen Propheten / dafür man sich zu hüten hat.
Das ist auch durch GOttes Gnade und Seegen vorietzo mein Zweck / daß solches Wort unsers HErrn JEsu CHristi / wie es an sich selbst ist in seiner Einfältigkeit und Lauterkeit euch vor die Augen geleget -wer (17) Ae: Ihr aber habet acht auff das Wort des HErrn / und mercket darauf! / ob es überein komme mit demjenigen / was CHristus und seine Apostel gelehret haben / oder nicht; und denn fället das Urtheil. Bittet GOtt den HErrn demüthig / daß Er mir mit Geist und Krafft wolle beywoh- nen / solches sein Wort in Krafft und Lauterkeit zuverkündigen: Ja bittet auch GOtt den HErrn / daß Er mich erleuchten wolle mit seinem Heil. Geist / auff daß ihr durch den Geist der Wahrheit das Wort der Wahrheit in Demuth möget annehmen; damit eure Seelen errettet werden. Darumb laßt uns GOtt den HErrn demüthig bitten in dem Gebeth des Heil. Vater Unsers und vorhero in dem Gesang / Nün bitten wir den Heil. Geist.
Textus.
Evangelium, Matth. VII.15—23.
SEhet euch für / für den falschen Propheten / die (18) in Schaffs-Kleidern zu euch kommen / innwendig aber sind sie reissende Wölffe: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann mann auch Trauben lesen von den Dornen? Oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte / aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen / und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum / der nicht gute Früchte bringet / wird abgehauen und ins Feuer geworffen. Darumb (19) an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle / die zur mir sagen / HErr / HErr / in das Himmelreich kommen j sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viel zu mir sagen an jenem Tage: HErr / HErr / haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teuffel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? Denn werde ich ihnen bekennen / Ich habe euch noch nie erkannt / weichet alle von mir / ihr Ubelthäter.
(20) Eingang.
ES war ein groß Gemurmel von Ihm unter den Volck: Etliche sprachen / Er ist from / die andern sprachen / Nein / sondern Er verführet das Volck. Diese Worte finden wir Joh. VII.12. Von wem entstund denn solch Murmeln unter dem Volck? Antw. Von JEsu CHristo dem Hochgelobten Sohn GOttes / dem HErrn der Herrlichkeit / dem Hohen-Priester / den GOtt geheiliget und gesalbet hatte und gesandt in die Welt / umb unserer Seeligkeit willen. Das soll uns denn verständig machen / daß wir also schliessen: Hat der Sohn GOttes / der HErr der Herrlichkeit nicht können Glauben finden bey den Menschen-Kindern / ob er gleich im Leben untadelich und unanstössig war; wie sollen denn seine Knechte eines andern zu er(21) warten haben in dieser Welt? Was ist es Wunder / daß / wenn es dem HErrn also ergangen; es