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VI. Predigten
in dem. geistlichen Stand. Findet ein rechtschaffener Lehrer Widerstand / so findet er ihn nicht grösser / als von denen / die selbst das Ambt führen / und den Namen haben / daß sie auch Lehrer sind. Und wäre nicht ihr Widerstand; wären nicht ihre Lästerungen und ihre Schmähung / daß mans ausschrie für Verführung / und für dieses und jenes / gewiß / es würde das Wort GOttes viel weiter durchdringen / und manche Seele aus dem Verderben errettet werden. Darumb sollen solche (116) wissen / weil sie sich unterstehen / und der Freyheit gebrauchen die Menschen vor heimlichen Gifft zu warnen / daß ich die Menschen hinwiederumb für sie warne: Denn indem sie das thun / und sich wider die Wahrheit setzen / von heimlichem Gifft reden / und dafür warnen / verrathen sie sich / daß sie falsche Propheten seyn. Trotz sey ihnen geboten / daß sie den heimlichen Gifft darlegen / davon sie nun viel Jahre her gelästert haben. Sind sie nicht Lästerer / Verleumbder und Lügner / so zeigen sie den heimlichen Gifft / und beweisen es / was für falsche Lehre geführet wird? Hingegen kann man sich auff die Erfahrung berußen. Wodurch ist in diesen Jahren mehr Nutzen geschehen? Hat man mehr Nutzen geschaffet durch das alte Wesen / wie es immer geführet worden / daß man so nach der Larve hinprediget / und es immer so bey dem alten lässet? oder ist mehr lSu(117)tzen geschaffet worden durch diejenigen / so die Schmach CHristi getragen haben / und für Verführer ausgeruffen sind? Wer hat wol den größten Seegen gehabt? Trotz sey euch nun gebothen / daß ihr zeiget denselbigen Seegen / den GOtt seinen Knechten verliehen hat! Sehet / zeiget erst Früchte / legitimiret euch erst / daß ihr Knechte JEsu CHristi seyd. Hier sind unsere Brieffe / die nicht mit Dinten / sondern mit dem Finger des lebendigen GOttes geschrieben sind / die erkannt und gelesen werden von allen Menschen. Daraus könnet ihr ja unsers göttlichen Beruffes und der göttlichen und reinen Lehre / die wir bey euch führen / gewiß seyn. Ihr / sage ich / die ihr mich nun biß ins siebende Jahr (durch GOttes Gnade) gehöret / saget mir / wer ist unter euch / der auff bösen Weege gebracht ist? Wer ist unter euch / dem nicht seine Sünden kräfftig unter die Augen (118) und vor das Hertz gestellet worden / daß er sie erkennen und sich mit ernstlichem Verlangen zu CHristo wenden und bekehren möge / von der Finsterniß zum Liecht / und von der Gewalt des Satans zu GOtt / zuempfahen Vergebung der Sünde und das Erbe sammt denen / die geheiliget werden durch den Glauben an CHristum? 47 Im Gegentheil sind nicht viel würcklich von den Stricken des Satans errettet? Saget es selbst? wie stehets? Stehets jetzo besser in der Gemeinde; oder hats vorhin besser gestanden? was düncket euch? Findet ihr eine Besserung in der Gemeinde / warumb gläubet ihr denn nicht? warumb bleibet ihr in solchem verstockten Sinn? warumb widerstrebet ihr denn also dem Heil. Geist / wie eure Väter? 48 warumb fahret ihr fort / das Wort GOttes zuverlästern / und zu schmähen? warumb achtet ihrs nicht / wenn man eure Seelen sucht? wollet ihr (119) euch noch für uns als falschen Propheten fürsehen? wie ja / leyder! noch viele unter euch in solcher Lästerung stecken. Hat man nicht vor euch in der Krafft JEsu CHristi das Ambt des Geistes geführet? Darumb sey es einem jeden auff seine Seele gegeben / daß er nach dieser Lehre / wie sie euch jetzt vorgetragen ist / prüffe und forsche / ob er Ursache habe / von uns anders zuhalten / als von Dienern JEsu CHristi. Die jenigen aber / welche in solchen Lästerungen und verstockten Sinn fortfahren wollen / und sich nicht weisen lassen / noch erkennen / daß man in der Krafft JEsu CHristi herfür- getreten sey / und den Weeg zur Seeligkeit frey und öffentlich verkündiget habe / die mögen ihr Unheil über sich selbst nehmen.
47 Apg. 26,10*.
48 Vgl. Apg. 7,51*.