VIII
Vorwort
Entwicklung der „pietistischen Idee" zukommt: Hat er den Anliegen Speners eine Wendung gegeben, die dieser gar nicht beabsichtigt hatte? Andersherum gefragt: Hätte sich ein auf Spener zurückgehender Pietismus ohne Franckes Anstalten in Glaucha als Strömung, die nicht nur die Theologie-, Frömmig- keits- und Kirchengeschichte der Neuzeit maßgeblich beeinflußt hat, überhaupt etablieren können?
Der Bedarf an Folgeuntersuchungen erscheint nahezu zwangsläufig. Zum einen ist es notwendig, unter Verwendung des mit der Kommentierung der Edition zur Verfügung stehenden Materials eine Darstellung der Frühgeschichte der Franckeschen Stiftungen und auch der Biographie Franckes zu erarbeiten, die dem nach wie vor eher „hagiographischen" Bild von Francke und seinem Lebenswerk ein Korrektiv hinzufügt. Zum anderen ist zu prüfen, ob die mit der Edition gegebenen Klärungen nun auch die Edition der Berliner Briefe Speners mit den erforderlichen Empfängerzuweisungen ermöglichen.
Weiterhin läßt sich auf der Basis der Edition theologiegeschichtlich konkretisieren, wie sich die Spenersche „Hoffnung besserer Zeiten" bei Francke mit innerweltlichem Realismus verband und zu „Projekten" formte, die die Realität auf eine Utopie hin zu überwinden suchten. Die in der Kommentierung aufgearbeiteten Details ermöglichen dabei sowohl Vergleiche mit zeitgenössischen chiliastischen und utopischen Vorstellungen als auch mit theologie-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten anderer bislang unter dem Begriff „Pietismus" zusammengefaßter Reformbestrebungen, von denen begriffsgeschichtliche Klärungen erwartet werden können.
Die Hauptlast dieser Edition hat Veronika Albrecht-Birkner getragen. Sie hat auch die Archivrecherchen durchgeführt und den kommentierenden Apparat erstellt. An der Transkription der Briefe war Friedemann Steck beteiligt, an den Korrektur- und Registerarbeiten Anna-Lena Hoffmann, Dorothea Kinast und Marianne Taatz. Der Deutschen Forschungsgemeinschaft sei für die vierjährige Finanzierung des Projekts gedankt. Dank gebührt auch allen Archiven und Bibliotheken, die bereitwillig die Recherchen unterstützt und die Genehmigung zum Druck der Brieftexte gegeben haben, namentlich den Franckeschen Stiftungen, in deren Beständen die meisten herangezogenen Quellentexte bewahrt werden. Die Drucklegung des Bandes wurde ermöglicht durch einen Druckkostenzuschuß der VG Wort, der hiermit herzlich gedankt sei.
Für die Herausgeber: Udo Sträter