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Nr. 7 AM. Frauke an Ph.J. Spener 15. 7. 1690

10 auch ihrer Vergnügung eonferiret, wie solches vom Herrn D. Hinckelmann selbst zweifFels ohne wird berichtet seyn. 8 Der Herr wird die lieben Seelen durch anfechtung leutern und stärcken, daß sie in wahrer Verleugnung aller aüsserlichen herrligkeit, Gelehrsamkeit und hoheit, und in ungefärbter an­nehmung der Knechts Gestalt des Herrn Jesu 9 und der wahren Einfaltigkeit

15 in Christo das werck des Herrn mögen ohne selbst gemachte hinderniß mit rechtem apostolischen Seegen führen und treiben, da sie gewiß zu diesen zeiten, da Babel so wackelhafft ist und zugleich auch alles babelische wesen 10 , durch ihre herrlichen von Gott verliehenen Gaben ein großes beytragen kön- ten. Ich bin auch gewiß, daß meines theuresten Vaters treue vermahnungen

20 an Sie nie ohne Frucht abgehen werden.

10 D. ] L.: D.

Religionseid" (Verpflichtung auf symbolische Bücher) wurde er aber auch in Opposition zum Ministerium gedrängt (Grünberg 1, 242ff; Rückleben, 50fF; GlERL, passim).

* Johann Heinrich Horb (11.6.1645-26.1.1695), geb. in Colmar; 1661 Studium in Straßburg (1664 Magister), 1664 in Leipzig, 1666 in Jena, 1669 in Kiel; 167(1 Reisen in die Niederlande, nach Frankreich und England; 1671 Hofprediger des Pfalzgrafen Christian II. von Birkenfeld in Bischweiler, im selben Jahr Inspektor und Konsistorialrat der hinteren Grafschaft Sponheim und Pfarrer in Trarbach an der Mosel; in demselben Jahr Heirat mit Sophia Cacilia Spener (1640-1727), Schwester von Philipp Jakob; 1.2.1678 nach heftigen Auseinandersetzungen mit der orthodoxen Geistlichkeit Amtsenthebung; 1679 Superintendent und Hauptpastor in Windsheim, 1685 Hauptpastor an St. Nicolai in Hamburg; im November 1693 Ausweisung aus Hamburg wegen der Begünstigung radikalpietistischer Konventikel und seiner Ubersetzung der Erziehungs­schrift Pierre Poirets (s. Brief Nr. 75, Anin. 15 und 17); lebte bis zu seinem Tod in Schiems bei Hamburg (DBA 567, 274-297; ADB 13, 120-124; NDB 9, 621f; RGG 4 3, 1900; Pfarrerbuch Elsaß, Nr. 2383; Goebel 2, 591-615; Grünberg 1, 187f; F. Hartmann, Johann Heinrich Horb [16451695], Leben und Werk bis zum Beginn der Hamburger pietistischen Streitigkeiten 1693. Tübingen 2004 [Hallesche Forschungen, 12]).

7 Abraham Hinckelmann (2.5.165211.2.1695), geb. in Döbeln/Sachsen; 1668 Studium der Theol. und orientalischen Sprachen in Wittenberg (1670 Magister); 1672 Rektor in Gardelegen/ Mark, 1675 Rektor des Katharineums in Lübeck; 1685 Diakon an St. Nikolai in Hamburg, 1687 Dr. theol. in Kiel sowie Oberhofprediger und Superintendent in Darmstadt, 1689 Hauptpastor an St. Katharinen in Hamburg (DBA 540, 27-67; ADB 12, 460-462; Jöcher 2, 1612f; Matrikel Wittenberg, 174; Strieder 6, 27-42; Diehl, Hassia Sacra 2, 44f). - Hinckelmann war seit 1690 in die Hamburger Kirchenunruhen verwickelt.

8 Hinckelmann stand seit 1677 in engem Briefkontakt mit Spener. Ein Schreiben Hinckel- manns an Spener mit einem Bericht über Franckes Hamburger Aufenthalt ist jedoch nicht nach­weisbar.

9 Phil 2,7.

10 Nach Apk 17,5 war dieHure Babylon" schon im späten Mittelalter von kritischen Stimmen als das Römische Papsttum gedeutet worden. In Speners Pia Desideria spielt die escha- tologische Erwartung des Gerichtes über Babylon nach Apk 18/19 eine wichtige Rolle (PD 44, 1723). Bereits in den 80er Jahren wurde nicht nur in radikalpietistischen Kreisen diskutiert, ob die evangelische Kirche Babel und deshalb zu verlassen sei (vgl. Ph.J. Spener, Der Klagen über das verdorbene Christenthum mißbrauch und rechter gebrauch [...], Frankfurt 1685 und wei­tere Auflagen; ders.: Untersuchung eines Bedenkens, ob die ev. Kirche mit Recht Babel oder antichristlich zu schelten [...], 1686, vgl. Bed. 1, 341-394; 3, 697; Wallmann, Pietismus, 56f; Schneider 1, 400-406).