Nfc 7 AM. Francke an Ph.J. Spener 15. 7. 1690

23

Sonst kan auch wol versichern, daß an Herrn Zellern 11 , Langen 12 , Jürge Müllern 13 und andern vieles in weit besserem zustande als vorhin 14 , doch nach meinem Erkentniß gefunden. O treu ist der Herr und weiß uns wol zu leutern. Verständig ist der, so die Kinder Gottes um ihrer, sonderlich im an- fang sich ereignenden, Schwachheiten willen nicht richtet, verdammet oder 25 wegwirfft. Ich habe Herrn D. Hinckelmann bezeuget, daß ich die beyden erst benannten 15 für wahre Kinder Gottes halte, und deswegen unverantwortlich halte, daß man sie so lange vom tische des Herrn abgehalten 16 , darinnen er mich seiner völligen beystimmung versichert.

Zu Wolffenbüttel habe Herrn Meyer 17 und Lüdersen 18 etliche Stunden, so 30 lange es die geschwinde Post zugelassen, gesprochen, und mich gar hertzlich

11 Eberhard Zeller (get. 15.4.1652-2.10.1705), geb. in Stuttgart; 1674 Magister, 1678 Repe­tent, 1684 zweiter Diakon in Göppingen; 1686 Ausscheiden aus württembergischem Kirchen­dienst und Aufenthalt in Frankfurt bei Johann Jakob Schütz; 1688 Hauslehrer bei Windeier (s. Anm. 5) in Hamburg, entlassen wegen zu harter Rinderzucht; verließ Hamburg 1692 und ging wohl wieder nach Frankfurt; 1693 Adjunkt in Wallau im Darmstädtischen sowie ab 1696 Metro­politan der Diözese Eppstein (DBA 1408, 78-79; Zedier 61, 144; Geffcken, 53-68; Diehl, Has- sia Sacra 2, 215. 242; Sigel 17/2, 915f; Rückleben, 88fF; K.A. Zeller, Die Familie Zeller aus Martinszell, Stuttgart 1974, § 197; Matthias, 232; Brecht, Spener, 328. 346; A. Deppermann, Johann Jakob Schütz und die Anfänge des Pietismus, Tübingen 2002 [BHTh 119], 284f). - Zeller hielt mit Lange (s. Anm. 12) in Hamburg Konventikel separatistischer Tendenz ab und geriet in Streit mit dem Hamburger Ministerium, der zum Religionseid von 1690 führte (s. Anm. 5).

12 Nikolaus Lange (11.11.1659-29.5.1720), geb. in Gardelegen; 1680 Studium in Jena, ab 1683 im Hause Christian Scrivers (s. Brief Nr. 14, Anm. 3) in Magdeburg, der ihn an Sohnes statt annahm; 1685 nach Hamburg, Studium der hebräischen Sprache, mit Zeller (s. Anm. 11) Hauslehrer u.a. bei Winckler; Febr. 1689 gerichtliche Untersuchung wegen Abhaltung von Kon- ventikeln, Amtsentsetzung; verläßt 1692 Hamburg, Aufenthalt in Berlin und Hollandreise; 1693 auf Speners Empfehlung Gesandtschaftsprediger beim schwedischen Grafen Fredrik Wilhelm von Horn (s. Brief Nr. 90, Anm. 12) in Wien, 1694 mit dem Grafen nach Pommern und Tätigkeit als Hausprediger; 1695 Pastor primarius in Derenburg bei Magdeburg, 1705 Superintendent und Oberpfarrer an St. Gotthard in Brandenburg (DBA 737, 269-279; ADB 17, 648; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 478; Henckel 3, 79-278; Geffcken, 240. 292. 444).

13 Jürgen Müller, einTobakspinner" (Rückleben, 84), hielt seit 1679 separatistische Kon­ventikel in seinem Haus, derentwegen es seit 1686 zu Auseinandersetzungen kam (Brecht, Spener, 346). Lebensdaten wurden nicht ermittelt.

14 Vgl. Franckes Aufenthalt in Hamburg von Februar bis Dezember 1688 (vgl. F. de Boor, A.H. Franckes Hamburger Aufenthalt im Jahre 1688 als Beginn seiner pädagogischen Wirksamkeit, in: August Hermann Francke 1663-1727, hg. R. Ahrbeck, B. Thaler, Halle/Saale 1977 [Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg, Wissenschaftliche Beiträge 1977/37 (A 39)], 24-36).

15 Zeller (s. Anm. 11) und Lange (s. Anm. 12).

16 Das Hamburger Ministerium hatte Zeller und Lange sowie jedem, der in Verdacht stand, mit diesen Kontakte zu unterhalten, den Zutritt zu Beichte und Abendmahl verwehrt. Neben Hinckelmann und Francke kritisierte auch Winckler dieses Verfahren (Rückleben, 103).

17 Bartholomäus (Barthold) Meyer (8.9.1644-12.5.1714), geb. in Hamburg; 1666 Studium in Rostock; 1669 Rektor in Damm bei Stettin, 1670 Prof. eloquentiae am Gymnasium in Stettin, 1674 Rektor in Uslar; 1675 Rektor in Blankenburg, 1680 Schulinspektor und Subprior des Klo­sters Michaelstein, 1682 Hof- und Schloßprediger in Blankenburg; 1684 Pfarrer in Braunlage, 1687 Generalsuperintendent und Konsistorialrat in Wolfenbüttel, Propst des Lorenzklosters in Schöningen, 1690 einer der Gutachter gegen den HamburgerReligionseid"; 1692 Abset­zung als Generalsuperintendent, da er das gegen den Pietismus ergangene Dekret nicht unter-