Nr. 8 AM. Francke an Ph.J. Spam 21.8.1690
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Moskau 6 giebt es auch einige Unruhe. 7 Ich habe auch ihm deswegen meine hertzliche Meynung geschrieben, und ihn im Herrn ermahnet. 8
Herr M. Achilles 9 , Herr Sprögel 1 " und seine Liebste von Quedlinburg", und Herr Schmidt mit seiner Liebsten, Med[icinae] D. und LeibMedicus da- 10 selbst 12 , und eine Jungf[er] mit Namen Körnerin aus Gotha 13 , so sich bißhero
7 ihm ] -D.
6 Muskau in der Lausitz.
7 Zießler und Elers wurde u.a. vom Muskauer Superintendenten Martin Francisci (s. Brief Nr. 20, Anm. 29) vorgeworfen, sie führten keine üblichen Informationen, sondern „absonderliche conventus" (Ausführliche Beschreibung, 46) durch. Sowohl der Graf als auch Spener versuchten, Elers und Zießler vor diesen Angriffen zu schützen (Ph.J. Spener, Gruendliche Beantwortung Einer mit Laesterungen angefuellten Schrifft [...] fs. Brief Nr. 87, Anm. 10], 176f; Böhme, Elers [s. Brief Nr. 3, Anm. 7], 17). Am 21.8.1690 begann auf dem Schloß in Muskau ein bis zum 28.8. dauerndes Verhör Zießlers durch den Superintendenten, das zusammen mit einer diesbezüglichen Anfrage Franciscis an die theol. Fakultät Leipzig und deren Antwort an Francisci vom September 1690 veröffentlicht ist (O. Kirn, Aus dem Archiv der theologischen Fakultät zu Leipzig, 2. Hälfte, in: ZKG 34, 1913, 235-269).
8 Nicht überliefert.
9 Andreas Achilles (1656-10.7.1721), geb. in Halberstadt; 1676 Studium in Leipzig (1685 Magister), wo er 1689 die Befragung im Rahmen der Leipziger Unruhen (s. Brief Nr. 4, Anm. 2) verweigerte; 1690 Pfarrer an der Heilig-Geist-Kirche in Halberstadt, 1693 Entlassung wegen Enthusiasmus; 1695 Pfarrer in Dornum/Ostfriesland; seit 1703 ohne festes Amt im Waisenhaus in Halle (DBA 3, 289-291; 1422, 79; Matrikel Leipzig, 1; PfA St. Georgen, Sterberegister 1702-1726, S. 210; Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 116ff; Francke, Streitschriften, 9. 52. 127; Walch 1, 691; Bartels, 393; Schulz, 39-41. 84f u.ö.; W. Werner, Der frühe Pietismus im Fürstentum Halberstadt, in: August Hermann Francke 1663—1727, Halle 1977 [s. Brief Nr. 7, Anm. 14], 86-95; Jakubowski-Tiessen, Niedersachsen [s. Brief Nr. 7, Anm. 17], 440ff).
10 Johann Heinrich Sprögel (11.10.1644-25.2.1722), geb. in Quedlinburg; 1659 Studium in Leipzig, 1671 Prof. am Gymnasium in Quedlinburg; 1681 dritter, 1684 zweiter und 1693 erster Hofdiakon ebd., seit 1686 zudem Verwalter der Bibliothek der Äbtissin Anna Dorothea von Sachsen-Weimar (s. Brief Nr. 14, Anm. 2); nach Amtsenthebung wegen pietistischer Lehren 1703 Pfarrer in Werben/Altmark, 1705 Propst, Pastor primarius und Scholarch in Stolp/Pommern, 1715 emeritiert (Auskunft Pfarrerkartei der KPS; Pfarrerbuch Pommern 2, 455; Ausführliche Beschreibung, 102ff; Heyden, KG Pommern 2, 134f; Schulz, passim; Witt, 38-40 u.ö.).
" Susanna Margaretha Sprögel, geb. Wagner (29.5.1656—1730), geb. in Quedlinburg; seit 1674 verheiratet mit Johann Heinrich Sprögel; ab 1693 im Briefwechsel mit dem Spiritualisten und Böhmeschiiler Johann Georg Gichtel (1638—1710), 1694 als Anhängerin der enthusiastischen Bewegung getrennt von Kirche und Abendmahl (Auskunft Pfarrerkartei der KPS; Schulz, 38; Witt, 34. 46—49. 64). — S.M. Sprögel publizierte Responsen (Consilia und Responsa theologica [...], Frankfurt 1705) ihres Schwiegersohns Gottfried Arnold (1666-1714) (vgl. M. Schmidt, Gottfried Arnold — seine Eigenart, seine Bedeutung, seine Beziehung zu Quedlinburg, in: ders., Wiedergeburt und neuer Mensch. Gesammelte Studien zur Geschichte des Pietismus, Witten 1969 [AGP 2], 331-341, hier 334).
12 Jacob Schmidt, Quedlinburger Arzt, der mit seiner Frau zu dem Kreis um Sprögel (s. Anm. 10) und die Ekstatikerin Anna Eva Jakobs (s. Brief Nr. 55, Anm. 21) gehörte. Neben Friedrich Hoffmann (s. Brief Nr. 22, Anm. 56) wurde Schmidt zur medizinischen Begutachtung ekstatischer Zustände herangezogen (Schulz, 20. 72ff; Witt, 39. 45).
13 Nicht ermittelt.