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Nr. 12 A.H. Fmncke an Ph.J. Spener 7. 8. 1691

gar großer natürlicher Einfältigkeit gewesen zu seyn scheinet. Sie hat anfang­lichen sehr viel bußthränen, darnach auch sehr viele Freuden Trähnen ver­gossen, und weiß insonderheit von der krafft des göttlichen] Worts in ihrem hertzen zu zeugen.

Eine andere Frau hat in sehr schweren äusserlichen Sünden gelebet so wohl nach dem gemeinen Gerüchte, als nach eigenem bekentniß gegen mich, ist aber umgewant wie eine andere Maria Magdalena 8 . Ein bürger 1 hat erst­lich hart widersprochen, darauff aber der Sachen ernstlich nachgedacht, und Ihm furgesetzt, Christum allein in sein hertz zu fassen, und sonst an nichts zu gedencken, auch mit solchen Gedancken für dasmahl einzuschlafFen, so werde es ihm doch nicht fehlen. Da er früh auffwacht, empfindet er eine gar sonderbare Veränderung und ungewöhnliche] Freudigkeit in seinem hertzen, und verkündiget nun die Gnade, so ihm widerfahren, sprechend, wenn gleich der Herr Senior" 1 zurückfiele, wolte er dennoch beständig bleiben. Eine Frau" hägt solche Gedancken, es wäre doch gut, wenn man etwa zu großem Reichthum gelangen könte; des Nachts träumet ihr, als käme ein Mann, der zu Ihr sagete: Trachtet am ersten nach dem R[eich] Gfottes] p.p. 12 . Darüber erschrickt sie, wird in große angst gesetzet, schlägt in sich, und thut busse, bezeuget darnach gegen mich, Sie wisse nicht wie sie nun von dem H. Geist so erleuchtet sey. Ein Schuknecht 13 hat den Herrn Senior besuchet, und ihm die göttliche Veränderung seines hertzens mit solchen sonderlichen Worten bezeuget und Umständen, daß der Herr Senior auch öffentlich dieses Ex- empel der Gemeine fürgetragen, und bezeuget, daß ihm dergleichen nicht leicht fürkommen, und daß ihn Gott sonderlich da er eben jetzo von der wiedergebfurt] predige 14 durch dieses Exempel erquicket habe.

Dergleichen läst uns Gott viel sehen, sonderlich auch an Fremden, die zu uns kommen. Dabey feyret nun Satan nicht, und ist der Sturm auff mich noch nie so arg gewesen, als er nun ist, weil mir aber Gott seinen innerlichen Trost erhält und vermehret, halte ich ich habes nie weniger geachtet.

19 hat ( haten(?).

7 Nicht ermittelt.

8 Die Bemerkung setzt die geläufige Gleichsetzung der in allen Evangelien im Zusammen­hang v.a. mit dem Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschehen vorkommenden zentralen Frauen­gestalt mit Namen Maria Magdalena mit Berichten von der bekehrten Sünderin (Joh 8,111; Lk 7,36-50) voraus.

9 Nicht ermittelt.

10 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

11 Nicht ermittelt.

12 Mt6,33.

13 Nicht ermittelt.

14 Nicht überliefert.