Nr. 14 A.H. Francke an Ph.J. Spener 2.11.1691

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Aber hie werde übermorgen wieder an einem bußtage predigen 14 , welches nicht außschlagen mügen, nachdem mir Gott durch die erste predigt sehr großen, und augenscheinlichen Seegen verliehen. So erwarte ich auch diese woche Herrn D. Breithaupten 15 , der in patriam 16 reisen wil, und so dann 30 werde meine Reise nach dem willen des Herrn schleunig vollenden.

Ich hoffe, mein theurester Vater werde wol merken, daß dieses eine Er­quickung sey welche mir der Herr nach meinen Verfolgungen gönnet, denn ich traun 17 dergleichen Fortgang des Evangelii noch nie gesehen, und werde also mein verweilen an gehörigem Orte und auff bedürffenden Fall bestens 35 zu entschuldigen wissen.

Die Fr. Hoffr[athinJ Schreiberin 18 , dabey ich dieses geschrieben, grüßet gar hertzlich.

Der hand des Herrn empfholen.

Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn 40 M. Augfust] Hermann Francke.

Halberst[adt] den Montag nach dem 21. Trinfitatis] 1691.

Dem hochwurdigen, in Gott andächtigen und hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern der h. Schfrifft] D. und Churfürstlich brandenburgi­schen Consistorial-Rath und Inspectori In Berlin 45

32f Erquickung ] Stärkung (?): D.

14 Die Einhaltung eines oder mehrerer Büß- und Bettage mit Betstunde bzw. Bußgottesdienst pro Woche war in lutherischen Gemeinden im 17. Jahrhundert insbesondere seit dem 30jahrigen Krieg üblich. Der Mittwoch gehörte neben dem Freitag zu den bevorzugten Bußtagen (s. TRE 7, 493). Franckes Bußpredigt vom 7.11.1691 ist nicht überliefert.

15 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

16 Northeim.

17 Traun: fürwahr, wahrhaftig (DWB 21, 1526-1532).

18 Lucia Amalia Elisabeth Schreiber (s. Brief Nr. 12, Anm. 4).