Nr. 18 Ph.J. Spener an A.H. Francke 26.1.1692
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communicirt werden. Causa ist communis und liget ein großes dran, wie diese schrifFt gerath. Es wird aber große eyl erfordert, darmit sie möge auff dem landtag zu Dresden 15 gebracht, und etwa von Gott darzu gesegnet werden, das die osores pietismi daselbs nicht etwas gefährliches heraußbringen. Daher 45 waß ich haben solle, muß bald sein, oder ist vergebens. Der Herr segne die christliche intention und vorhaben, so ja zu seinen ehren gemeinet ist.
Herrn Bartoln 16 betreffend, ist derselbe noch bey mir, wie er auch nechst vor mich gepredigt, dörffte aber wol kürtzlich zurückgehen 17 . Was geliebter Bruder von denselben gehöret, war zu milde berichtet. 18 Indem er nicht 5« allein sonsten was zu Verhütung des duels 19 dinsam gewesen, mehr versucht, alß ers vor seinem Herrn Graffen da solcher es gewußt hätte verantworten können, sondern auch sein amt an denselben selbs, ihn abzuhalten, mündlich u. schrifftlich gethan: Wiewol er nun die göttliche providenz, so auch das böse zu gutem ende gebracht 20 , mit demuth veneriret. Was auch Herrn Wolters 55 anlangt, war er noch nicht in Leipzig, alß die action vorgieng: doch sorgt er von diesem, das er seinem Herrn Graffen nicht eben genutzt, und ihn wider zu einer mehren freyheit des Spiels gebracht habe. Meldet auch, das er von seinem grund nicht reden könne, dann jenner alle gelegenheit geflohen, wo er gemercket, das er gern mit ihm reden wollen. So auch nicht eben das 60 beste indicium ist. Der Herr bewahre das gute, welches er bey ein u. andern angefangen haben wird, das es nicht auch wol gar under gutem schein verdorben werde.
Von Lüneburg verlangen wir wol angelegenlich nachricht wegen Herrn Petersen 21 . Die brieff der gestrigen post brachten, das er noch von Cell nicht 65 zurück gekommen, noch der außgang der sache kund seye. 22 Die Fraülinen 23
44 /gebracht/. 52 /da solcher es gewußt/. 59 /jenner/: (er(?)).
15 Kurfürst Johann Georg IV. (s. Brief Nr. 17, Anm. 27) hatte zu Beginn seiner Regierung für Marz 1692 einen Landtag nach Dresden einberufen, auf dem auch die pietistische Bewegung verhandelt werden sollte. Die orthodoxe Seite, v.a. die theologischen Fakultäten von Leipzig und Wittenberg, hofften, den jungen Kurfürsten für sich zu gewinnen (vgl. Samuel Benedikt Carpzov, Göttliche Land-Tags-Proposition [...], Dresden 1692; Walch 4, 1154ff; Grünberg 1, 278f; Lotze, 45f; AFSt/H D 115 ': S. 131-141 [Bedenken der Leipziger theol. Fakultät vom 25.2.1692, Abschrift]).
16 Ludwig Friedrich Barthol (s. Brief Nr. 17, Anm. 26).
17 Barthol ging zurück nach Muskau.
Is Was Francke bisher von Barthol wußte, ist nicht bekannt; Spener hatte ihm am 19.1. nur mitgeteilt, daß er mit Barthol über Wolters reden wolle (s. Brief Nr. 17, Z. 37-40).
19 Offensichtlich das Duell zwischen Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20) und Kurt Reinicke IL, Graf von Callenberg (s. Brief Nr. 16, Z. 57—60 und Anm. 21).
20 Über den Vorgang ist sonst nichts bekannt.
21 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).
22 S. Brief Nr. 17, Anm. 34.
23 Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17) und wohl ihre Begleiterin, die Frau des Hauptmanns Schirmer (Matthias, 30, Anm. 59).