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Nr. 20 Ph.J. Speneran A.H. Frauke j23.(?)]2. 1692
Was mir von der bezeugung Herrn D. Olearii 3 gemeldet wird 4 , ist mir noch lieb, und hoffe ich, ob er sich nicht gantz gewinnen laßen solte, seye er doch
15 so klug, das er mehr an sich halten, alß sich widersetzen werde: Und wird man ihm auch auff geziehmende weise zu begegnen wißen. Die programmata habe empfangen 5 , u. sind 12 auff die Churfjurstlichen] räthe gegangen, 8 auff uns prediger, daher wenige vor andre übrig bleiben könen.
Herrn v. Seckendorff 6 (deßen nähme aber außbleibt) refutation der imaginis
20 pietismi 7 ist nun fertig, und truckt man jetzt an meiner praefation 8 ; wird aber nicht viel vor 8 tagen fertig: Doch hoffe, es solle noch zeitlich gnug auff den landtag nach Dreßden 9 kommen. Herrn M. Wigelebens auffsatz 10 habe auch gelesen, u. mir solcher wol gefallen, also das gern sehe, das er auch getruckt würde, so leicht zu Franckfurt geschehen könte. Ich wolte ihn aber nochmal
25 lesen, wie ihn dann jetzt Herr M. Schade 11 bey sich hat, und etwa etzliche erinnerung dabey thun. Seiter habe noch eine teutsche refutation 12 gesehen, aber zu lesen nicht zeit gehabt, das daher nicht davon urtheilen kan. Weil in meiner praefation die gantze historie stehet, darinen ich geliebten Bruders viele eigne wort 13 behalten, hoffe ich, solle solches zu der sache u. darstellung
30 der Unschuld vieles thun.
15 Aich/.
3 Johann Christian Olearius (22.6.1646—9.12.1699), geb. in Halle; 1666 Studium in Jena (1667 Magister), 1668 in Kiel, 1670 in Straßburg; 1672 Pfarrer und Superintendent in Querfurt, 1674 Dr. theol.; 1681 Pfarrer an St. Moritz, seit 1685 Oberpfarrer und Superintendent an der Marktkirche Unser Lieben Frauen in Halle sowie Konsistorialrat, Inspektor des Stadtministeriums und des 1. Saalkreises (DBA 916, 209-212; Auskunft Pfarrerkartei der KPS; Annales, 389; Jöcher 3, 1054; RGG 4 6, 549; Stolberg Nr. 17492; Dreyhaupt 2, 684; F. Wagnitz, Die Theologenfamilie Olearius im Fürstentum Sachsen=Weissenfels, Wolfenbüttel 1996, 22—24. 38).
4 Offenbar bezieht sich Spener hier auf einen nicht erhaltenen Brief Franckes, in dem dieser ihm von einem Gesprach mit Johann Christian Olearius berichtet haben muß. Nach den Angaben im Tagebuch hatte Olearius Francke am 5.2. zu sich kommen lassen, um grundlegende Absprachen mit ihm zu treffen: Er legte Francke nahe, den Beichtpfennig einzunehmen, auf die Abhaltung größerer Versammlungen zumindest mit den Bürgern zu verzichten und sich an die Kirchenordnung zu halten (Kramer, Beitrage, 175).
5 Francke hatte Spener offenbar seine Vorlesungsprogramme, die er am 13.2. angezeigt hatte, zugesandt (Kramer, Beiträge, 176; s. Anra. 2).
6 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4).
7 S. Brief Nr. 18, Anm. 9.
8 S. Brief Nr. 18, Anm. 13.
9 S. Brief Nr. 18, Anm. 15.
10 Wieglebs Aufsatz, der als eine Zuarbeit zur Widerlegung der Imago Pietismi gedacht war, hatte Francke Spener am 30.1. zugesandt (s. Brief Nr. 18, Z. 35—40 und Nr. 15, Anm. 15).
" Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).
12 Vermutlich handelt es sich um: Johann Heinrich Sprögel, Abgenoetigte Antwort Auff die CHARTEQUE Ebenbild des heutigen PIETISMI genant. In welcher diejenigen Irrthuemer und Mißbraeuche/ welche man bißhero denen so genanten Pietisten gantz unverschuldeter Weise bey- gemessen/ zu Rettung ihrer Unschuld gruendlich widerleget werden [...], o.O. 1692 (vgl. Brief Nr. 22, Z. 15-18 und Anm. 9).
13 S. Brief Nr. 19, Z. 6-13.