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Nr. 22 AM. Franckc an Ph.J. Spater 15. 3. 1692
30 insgesamt gern wolte gedruckt haben. 16 Von den Quedlinbfurgischen] 17 und Halberst[ädtischen] 1H weiß nicht anders, als daß es noch in vorigem stände ist. Herr Royens 19 der die visionem über der Freulein Rosamunden haupt gehabt 20 ist hier bey uns, ein feiner stiller Mensch, reiset morgen mit Herrn M. Wiegeleb, der vom Gothischen Consistorio abgefordert ist 21 , von hier
35 weg.
Sende auch nachricht von dem Erffurtischen zustande, nemlich copiam von dem was die 5 prediger erst eingegeben 22 , und von Herrn M. Süßens 23 brieffe 24 . Bitte solches auch ohnschwer zu remittiren. Es wird auch noch
16 Briefliche Berichte u.a. von Brückner an Francke über Schuchart, aber auch über die Quedlinburger und Halberstädter Ekstatikerinnen (s. Anm. 17 und 18) wurden unter dem Titel Eigentliche Nachricht von dreyen begeisterten Mägden [...] allerdings von dem Leipziger Pietistengegner Gabriel Christoph Marquart veröffentlicht (s. Brief Nr. 38, Anm. 42).
17 Es dürfte in diesem Zusammenhang vor allem Magdalena Elrichs gemeint sein (s. Brief Nr. 16, Anm. 47).
18 Vermutlich meint Francke hier die Ekstatikerinnen Catharina Reinecke (s. Brief Nr. 15, Anm. 10) und Anna Margaretha Jahn. Die chiliastischen Offenbarungen letzterer erreichten im Dezember 1692 ihren Höhepunkt und wurden von dem Studenten Gebhard Levin Semler (s. Brief Nr. 10, Anm. 26) protokolliert. Eine Botschaft an ihren verstorbenen Beichtvater, Johann Christoph Wurtzler (s. Brief Nr. 67, Anm. 8), war im Dezember 1692 der Anlaß für ihre Inhaftierung. Im Ergebnis des Prozesses im Frühjahr 1693, in welchem der Arzt Friedrich Hoffmann (s. Anm. 56) als Gutachter herangezogen wurde, mußte sie Halberstadt verlassen und zog zu Adelheid Sybille Schwarz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16) (Witt, 22f. 36-38. 58f. 62 u.ö.; Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 126. 131. 162ff; vgl. Briefe Nr. 65, 67, 68, 71).
19 Johann Hubertus Royen (gest. 1693), konvertierte vom Katholizismus zum Luthertum und behauptete, göttliche Offenbarungen zu haben (LBed. 3, 436f. 656f. 802f; Matthias, 327, Anm. 325 [Lit.j; vgl. Brief Nr. 87, Z. 57—70). Dessen Besuch in Halle von Quedlinburg aus vermerkte Francke am 13.3.1692 (vgl. Kramer, Beiträge, 180).
20 Im Februar 1692 ging das Gerücht, daß Royen Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17) besucht und in Celle erzählt habe, „waz er alda von einem großen Glantz ihrer Persohn sehe" (Wipert Ludwig Fabricius, vermutlich Febr. 1692, zitiert nach Matthias, 267, Anm. 60).
21 Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15) wurde 1692 zum Subkonrektor an das Gothaer Gymnasium berufen (zu seinem Aufenthalt in Halle s. Brief Nr. 15, Z. 12f und Anm. 12).
22 Francke schreibt in seinem Tagebuch am 13.3.1692 über die Ereignisse in Erfurt, „daß man die fünffe, so es mit Hrn. D. Breithaupt gehalten, auff dem Rathhause fürgenommen, ihnen das Wittenbergische responsum Ungehalten, und angemutet, elenchum nominalem wider die pietisten, und in specie contra M. Francken als turbatorem zu gebrauchen, worauff sie ihre Meynung schriftlich eingegeben, der Rath aber damit nicht friedlich sein wollen, sondern etwas eingeschoben, welches dann zu unterschreiben 4 sich bereden lassen, Hr. M. Süße aber sich dessen gewegert, daher man ihm mit der remotion gedrohet." (Krämer, Beiträge, 180; zum Wittenberger Gutachten vgl. Brief Nr. 23, Anm. 29). Gemeint ist offenbar die hier erwähnte, nicht überlieferte Erklärung. — Bei den fünf Predigern handelt es sich wohl um Johannes Glörfeld (Pfarrerbuch Erfurt, 163; Wallmann, 334. 337), Johann Sylvester Hesse (s. Brief Nr. 7, Anm. 31), Johann Lorenz Pfeiffer (s. Brief Nr. 7, Anm. 48), Johann Georg Sack (Pfarrerbuch Erfurt, 271; Wallmann, Theologie und Frömmigkeit, 337) und Heinrich Süße (s. Brief Nr. 7, Anm. 33).
23 S. Anm. 22.
24 Nicht überliefert.