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Nr. 22 A.H. Francke an Ph.J. Später 15. 3. 1692
beweiset er auch biß dato eine redliche Verleugnung. Die Prediger 49 laßen hier das sticheln und schelten nicht in ihren predigen 50 , nur daß sie den Namen pietisten nicht nennen. Es ist aber ein diaconus in der andern vorstadt, am Ende (nom[en] Diaconi) 31 genandt, der sich gar fein anlaßen soll, auch des- 80 wegen von seinem Pastore 52 soll angefeindet werden. Die Rechte des Herrn wird in allen den Sieg behalten. 33
Verharre hiemit meines theuresten Vaters
Gehorsamer Sohn und Fürbitter bey dem Herrn
M. Augfust] Hermann Francke.
85 Halle den 15. Mart. 1692.
P.S. Die copia von meinem lebenslauff 54 ist nicht gar fertig worden, soll nechstens nachkommen. Sonst wird auch noch ein responsum medicum 55 D. Hoffmanns 56 de eestatica Quedlinburgensi 57 zurück seyn. So wolte auch gern wenn es mit dero Genehmhaltung geschehen könte von den übersanten
79 /(nom[en) Diaconi)/.
49 Gemeint sein dürften zu diesem Zeitpunkt vor allem Johann Christian Olearius, Pfarrer an der Marktkirche (s. Brief Nr. 20, Anm. 3), Albrecht Christian Rotth, Archidiakon an St. Ulrich (s. Brief Nr. 36, Anm. 12), Christoph Schräder (s. Brief Nr. 30, Anm. 14) und Wolfgang Melchior Stisser, Pfarrer an St. Ulrich (s. Brief Nr. 81, Anm. 10), vgl. Anm. 50.
50 Francke berichtet in seinem Tagebuch bis zum 15.3. von Angriffen gegen ihn in Predigten von Olearius, Rotth, Schräder und Stisser (s. Anm. 49 und Kramer, Beiträge, 171. 174. 179f).
51 Christian am Ende (21.12.1659-15.4.1708), geb. in Jüterbog; 1678 Studium in Leipzig; 1681 Rektor in Calbe, 1690 Diakon an St. Laurentius in Halle, 1693 Diakon an St. Stephan in Calbe (Pfarrerbuch KPS 1, 105; Dreyhaupt 2, 771).
52 Gottfried Cuno (um 1630-23.9.1696), geb. in Halle; 1658 Pfarrer in Oppin, 1661 Diakon in Löbejün, seit 1664 Pfarrer an St. Laurentius in Halle (Pfarrerbuch KPS 2, 249f; Dreyhaupt 2, 606. 771. 815).
53 Ps 118,15.
54 S. Anm. 13.
F. Hoffmann, Unlaengst gestelltes Ternsches Judicium Von Quedlinburgischen Magd Mag- dalenen An Hn. Sproegeln/ Diac. Aul. Quedl. entgegen gesetzet seiner Lateinischen Epistola- rischen Dissertation an Herrn D. VVcdelium, Consil. & C, o.O., Anno 1692. — Auch in seiner 1692 in Frankfurt erschienenen Dissertation (s. Brief Nr. 60, Anm. 20) setzt sich Hoffmann mit dem Fall der Magd Elrichs auseinander. Hoffmann war im Dezember 1691 nach Quedlinburg gereist, um die Ekstasen der Elrichs zu beobachten; auf Bitten Johann Heinrich Sprögels (s. Brief Nr. 8, Anm. 10) ließ er das Gutachten 1692 drucken (Schulz, 57). Ob hier bereits der erstgenannte Druck oder handschriftliche Vorarbeiten zu den beiden Schriften gemeint sind, läßt sich nicht ermitteln.
5( ' Friedrich Hoffmann (19.2.1660-12.11.1742), geb. in Halle; 1678 Medizinstudium in Jena und 1680 in Erfurt, 1681 Dr. med. in Jena; 1685 Regimentsarzt des Obersten von Ziethen, 1686 Landphysicus des Fürstentums Minden, 1687 Landphysicus in Halberstadt, 1693 Prof. med. in Halle, 1701 Mitglied der königlich preußischen Sozietät der Wissenschaften; ab 1709 Leibmedicus des preußischen Königs, 1712 Prof. med. in Halle (DBA 552, 141-245; ADB 12, 584-588; Jöcher EB 2, 1787).
57 S. Anm. 17.