Nr. 22 A.H. Francke an Ph.J. Später 15. 3. 1692
95
Regierung heute ein Schreiben zugesandt, und uns auff Churfürstlichen befehl die Schul Kirche eingegeben worden. 41 En ideolam Ecclesiolae plan- tandae Gott zeiget in warheit hier sehr großen Seegen. Sollen wir denn dabey 50 auch etwas leiden, so wird es doch der Gnade Gottes nicht wehrt seyn, die uns erzeiget wird. Bey Herrn Consistorial-Rath Wolffen 42 bin ich gewesen, und habe seine jungfer Töchter 43 , insonderheit die in Pommern gewesen 44 , auch gesprochen. Bin sehr wohl von dem gantzen hause angenommen worden und hoffe ferner gute Freundschafft nicht ohne Erbauung von Gott mit ihnen 65 zu halten. Beygehender brieff 45 an Herrn D. Koschwitz 46 ist von der Jungfer Wolffin. So von dar Gelegenheit ist ihn sicher an Herrn D. Koschwitzen zu befordern, wolte gebeten haben ihn fortzusenden. Sonst kan er liegen bleiben, biß ich selber anstalt dazu mache, hoffe aber Herr Meißner 47 werde ihn am sichersten zu bestellen wissen. Sonst grüßen der Herr Wolff und dessen 70 Töchter auffs freundlichste. Einlagen so wol an Herrn Meißnern als an die weibsperson bitte nur ohnschwer Herrn Meißnern zustellen zu laßen.
Der Herr Conrector Vockerod 48 gedencket auff Ostern bey ihnen zu seyn, und hoffe ich, er werde nicht ungestärcket wieder zu uns kommen. An seiner rechtschaffenen intention und Einsicht darff man gar nicht zweiffein, so 75
59f plantandae ( plandandae. 60 denn ] —D.
zugesprochen worden war, baten sie, der Kurfürst möge der Universität im Fall Hornemann die alleinige Jurisdiktion übertragen (ebd.). Diesem Wunsch entsprach das hier erwähnte Reskript des Kurfürsten vom 9.3.1692 (ebd. [Abschrift); ThStA Altenburg, Familienarchiv von Seckendorf, Nr. 1066, Bl. 192M93' [Abschrift]; vgl. Kramer, Beiträge, 179-181).
41 Das entsprechende kurfürstliche Reskript datiert vom 1.3.1692, die Mitteilung durch die Regierung an Breithaupt vom 11.3.1692 (UA Rep. 27, No. 1083, Nr. la; Rep. 3, No. 708, Bl. 1). Darin wurde die Entscheidung des Geheimen Rats, daß der Magistrat der Stadt Halle der theologischen Fakultät die „Schulkirche" (die ehem. Franziskanerkirche) zu Gottesdiensten für die Studenten leihweise zu überlassen habe, mitgeteilt. Gegen diese Regelung, die später zu Konflikten um die Verwendung der in der Kirche gesammelten Spendengelder führte (s. Briefe Nr. 190, Z. 3-30 und Anm. 1-6 und Nr. 192, Z. 3-7 und Anm. 4), setzten sich der Rat und der Gymnasialrektor Johannes Prätorius (s. Brief Nr. 16, Anm. 45) vergeblich zur Wehr (Annales, 385; Dreyhaupt 2, 203-205; Kramer, Beiträge, 181; Deppermann, 126f). Hintergrund des Reskripts war, daß der reformierte Hofprediger Jakob Merchier (s. Brief Nr. 210, Anm. 14) zuvor eine Verlegung des akademischen Gottesdienstes in den Dom abgelehnt hatte (vgl. Gabriel, 75f).
42 Joachim Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 44).
43 Sophia Tranquilla und Christiane Sophie Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 43).
44 Vermutlich Sophia Tranquilla Wolff (vgl. Briefe Nr. 17, Z. 60-62, Nr. 55, Z. 46-50 und Anm. 22 und Nr. 57, Z. 37-39 und Anm. 20).
45 Nicht überliefert.
46 [Georg Daniel (?)] Koschwitz sen. (gest. 1694), Leibarzt des Fürsten von Croy und Land- physicus in Stolp/Hinterpommern (vgl. die Angaben bei Georg Daniel Koschwitz jun. [s. Brief Nr. 96, Anm. 3] in DBA 203, 208-214 und Dreyhaupt 2, 604f; Wotschke, Pommern 1, 31f).
47 Nicht ermittelt.
4tl Gottfried Vockerodt (s. Brief Nr. 16, Anm. 44).