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Nr. 23 Ph.J. Später an A.H. Francke 19.3.1692
capabel sein mag. Gott stärcke ihn ferner. Das sticheln auff den cantzeln 49 muß er leiden, wo mans nur nicht zu grob macht, sie verrahten sich nur mehr
75 und mehr, u. lauffen [?] endlich an.
Herr D. Petersen 30 ist 8 Tag auff Herrn v. Kniphausens 51 einladung hier gewesen. Man hats aber bey der regierung fast nicht gern gesehen, daher er sich auch mehr stille gehalten, und ist gestern wider zurück. Seine freudigkeit vergnüget mich hertzlich: doch wünschte, das seine gaben nicht lange ohne
so gebrauch blieben: siehe aber noch keine hoffnung zu dero anwendung. Der Herr aber wird selbs sorgen. Herr M. Huffeland 52 ist Montags nach Stolpe sich zur probpredigt wegen des archidiaconats zu sistiren. Habe von ihm gehört, das Herr Wolters 53 (und zwahr mit einigem disgusto 54 ) weggezogen: doch meinen einige, das er widerkommen möchte. Ich kan mich noch nicht
85 in seine dinge schicken, die so gar einander entgegen zu sein scheinen. Doch wird sichs mehr u. mehr zeigen. Indeßen nechst hertzlichen grüß an Herrn D. Breithaupt M u. Herrn D. Thomasium 56 , auch die meinige 57 , so den andre so mich lieben möchten, der göttlichen gnade treulich erlaßende verbleibe Meines wehrten Bruders und geehrten Herrn zu gebet u. liebe williger
90 Phfilipp] J[acob] Spener D. Mppria
Berlin den 19. Mart. 1692
4 '' S. Brief Nr. 22, Z. 76-78.
50 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).
51 Dodo von Knyphausen (30.3.1641-13.9.1698), geb. in Farnsum am Dollart (Provinz Groningen); Studien und Reisen, 1682 in Berlin, 1683 Geheimtat im Dienst Friedrich Wilhelms von Brandenburg, 1687 Hofkammerpräsident, 1697 in Sturz Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmanns (s. Brief Nr. 13, Anm. 8) verwickelt (DBA 674, 62; ADB 16, 339; NDB 12, 234).
52 Polycarp Elias Huffeland (s. Brief Nr. 20, Anm. 20).
53 Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20).
54 Lat. Widerwillen („Mißgeschmack").
53 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
56 Christian Thomasius (s. Brief Nr. 8, Anm. 20).
57 Gemeint sein können Speners Söhne Wilhelm Ludwig (s. Brief Nr. 16, Anm. 7) und Philipp Reinhard (s. Brief Nr. 18, Anm. 27), die sich in Halle aufhielten (Philipp Reinhard war möglicherweise schon abgereist, vgl. Brief Nr. 20, Z. 33f).