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Nr, 23 Ph.J. Spener an A.H. Francke 19.3.1692 101
scriptum 34 will bald senden. Wiewol es nun vergebens sein wird, nach dem 55 so ein schroff edict zu Wolffenbüttel publicirt worden 35 , alß ich nimmermehr gehoffet oder nur gesorget. Es müßen leute sein, die der Fürstlichen Herschafft 36 mächtig in den ohren ligen. Der Herr aber wird seine Zeit wißen. Der Freulfein] von Aßenburg 37 bezeugungen hören nicht auff aber sie ist darmit stille, woran sie auch wolthut. 60
Was es vor ein bewandnus mit Hornemanns 38 sache 39 habe, u. wie es auß- gehe, verlange sehr zu vernehmen: hoffe auch, es werden die Studiosi beweglich zur Vorsichtigkeit vermahnet werden, alß die sonst zelo immoderato alles zu verderben capabel wären. Wegen der schulkirche gratulire hertzlich 40 , und hat mich wol gefreuet, alß solche resolution vernommen. Der Herr laße 65 sein werck immer im segen fortgehen, und gebe darzu liecht, rath u. krafft. Die kundschafft mit dem Wolffischen hause 41 freuet mich recht, weil ich an der einen jungfer 42 sehr guten anfang gesehen habe. Den brieff nach Stolpe 43 habe mit gestriger post an Herrn Watson 44 an solchem ort sicher bestellt. Bitte das hauß 45 auch hertzlich zu grüßen. Herrn Vockerods 46 ankunfft 47 soll 70 mir auch lieb sein, sonderlich deswegen weil Herr Rittner 48 vieles auff ihn helt, daher er ihm vielleicht in einigen dingen andre impressiones zu machen
34 S. Brief Nr. 22, Anm. 36.
35 Der Durchleuchtigsten Fuersten und Herrn/ Herrn Rudolph Augusts und Herrn Anthon Ulrichs/ Gebrueder/ Hertzogen zu Braunschweig und Lueneburg /[...] EDICT und Verordnung/ Wie Bey denen hin und wieder sich ereugenden Newerungen und Sectareyen alle und jede Prediger und Lehrer in dero Landen sich vorsichtiglich halten und so wol sich Selbsten als ihre Gemeinen und Zuhoerer dafuer bewahren sollen, Wolfenbüttel 1692.
36 Anton Ulrich und Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel (s. Briefe Nr. 22, Anm. 35 und Nr. 45, Anm. 30).
37 Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17).
38 Johann Hornemann (s. Brief Nr. 22, Anm. 39).
39 S. Brief Nr. 22, Anm. 40.
40 Spener bezieht sich auf den kurfürstlichen Befehl an den Magistrat der Stadt Halle, die Schulkirche der Universität zur Nutzung zu überlassen (s. Brief Nr. 22, Z. 57—59 und Anm. 41).
41 Haus des Konsistorialrats Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 44).
42 Wohl Sophia Tranquilla Wolff (s. Brief Nr. 17, Anm. 43; vgl. Briefe Nr. 55, Z. 46-50 und Nr. 57, Z. 37-39).
43 Brief von einer der Töchter Wolff (vermutlich Sophia Tranquilla) an den Stolper Arzt Koschwitz (s. Brief Nr. 22, Anm. 46), den Francke mitgeschickt hatte (s. Brief Nr. 22, Z. 66f).
44 Vermutlich Matthias Watson, königlich preußischer Kriegs- und Domänenrat aus Stolp, der sich am 6.5.1696 in das Stammbuch Wilhelm Ludwig Speners in Stolp eintrug (DBA 1334, 276; Blaufuss, 166).
45 Wohl das Wolffsche Haus.
46 Gottfried Vockerodt (s. Brief Nr. 16, Anm. 44).
47 Vgl. die Ankündigung von Vockerodts Besuch in Berlin (s. Brief Nr. 22, Z. 73f).
48 Andreas Rittner (1.11.1646—20.3.1721), geb. in Tangermünde; 1664 Studium in Helmstedt, 1666 in Jena (1668 Magister); 1669 Rektor in Perleberg, 1671 Rektor in Salzwedel, 1672 Oberpfarrer und Inspektor in Havelberg; 1682 dritter Diakon an St. Nikolai in Berlin, 1685 Diakon an St. Marien ebd. (DBA 1043, 227-235; Jöcher EB 7, 76; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 702; Canstein/Francke, 45. 120f).