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Nr. 25 Ph.J. Später an A.H. Franckc 2. 4. 1692

lieben freunden in Wolffenbüttel gehe 30 , verlange hertzlich versicherte nach- richt: scheinet sie dörften nirgend hin schreiben. Es wird aber der Herr end-

75 lieh die gewißensstricke selbs zerreißen, und welche zu deroselben gebrauch die Herren verleiten zur wircklichen unbeliebigen rechenschafft fordern. Was mit Herrn Holtzhausen 31 in Franckfurt vorgehe, wird Herr M. Schade 32 in vertrauen erzehlt haben: ich werde ihm geliebt es Gott heut über 8 tag wegen der vorhabenden öffentlichen revocation schreiben 33 , solte mir lieb sein, wo

so einen brüderlichen rath darzu bekommen könte. Ich hoffe davon nicht wenig gutes. Nun der Herr thut alles weißlich und zu rechter zeit. In deßen treue obsicht und gnade zu allem segen hertzlich empfehlende verbleibe Meines in dem Herrn geliebten Bruders zu gebet und liebe williger Phfilipp] J[acob] Spener D. Mppria

85 Berlin den 2. Apr. 1692

Ich schicke einen brieff 34 an Herrn M. Schaden ob vielleicht bekant, wie ihn derselbe nachzusenden. 35

77f /in vertrauen/. 85 2 < (..?)

30 Spener bezieht sich auf die für die Pietisten bedrängende Situation in Braunschweig-Wol- fenbüttel nach der Veröffentlichung des Edikts gegen den Pietismus (s. Brief Nr. 23, Anm. 35). Vgl. schon die Informationen über Wolfenbüttel in Franckes Brief vom 15.3.1692 (Brief Nr. 22, Z. 42-48).

31 Johann Christoph Holtzhausen (19.12.1640-5.8.1695), geb. in Herford; 1659 Studium in Jena, 1661 Informator in Hamburg, 1663 wegen Beteiligung am Konventikel Stephan Döhrens vertrieben; Privatstudien bei Heinrich Müller in Rostock und Hermann Schuckmann in Güstrow, 1667 Rückkehr nach Herford; 1670 Diakon und Hebdomadar des adligen Stifts in Schildesche, 1673 Diakon am Münster in Herford, 1674 Diakon an St. Petri in Cölln, 1675 wegen verweigerter Unterschrift unter den brandenburgischen Religionsrevers suspendiert und des Landes verwiesen; 1676 Prediger an der Nikolaikirche in Lemgo und im gleichen Jahr in Hildesheim, 1680 amts­enthoben; ab 1682 Pfarrer an der Barfußerkirche in Frankfurt a.M., Kollege Speners (DBA 563, 61-66; NDB 9, 559; Jöcher 2, 1682f; Bruhn, 96f; Pfarrerbuch Westfalen, Nr. 2781; Arnold, UKKH 4, 977-1010).

32 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).

33 Holtzhausen hatte 1691 eine Schrift gegen Robert Barclay (s. Brief Nr. 27, Anm. 10) mit Bemerkungen über Jacob Böhme (Teutscher Anti-Barclajus [...], Frankfurt 1691; zu Böhme vgl. Brief Nr. 43, Anm. 19) und 1692 eine Refutation einer Widerlegung dieser Schrift unter dem Namen Johann Matthaus (Capistratus Bohmicolarum Rabula [...], Frankfurt 1692) veröffent­licht. Wegen dieser Publikationen befürchtete er inzwischen aber, er habe gegen den Heiligen Geist gesündigt, wandte sich deswegen an Spener und erwog, die Schriften zu widerrufen; Spener antwortete ihm noch im April 1692 (an Johann Christoph Holtzhausenwegen seiner gewissens=angst ueber das vermessene urtheil wider die Pietisten/ Verdammung Jakob Boehmens und harte Schreib=art gegen Matthaei", April 1692, Bed. 3, 911-917; vgl. auch Bed. 3, 922-924. 944. 975f).

34 Nicht überliefert.

35 Schades Aufenthaltsort zu diesem Zeitpunkt ist nicht zu ermitteln.