Nr. 25 Ph.J. Speneran A.H. Franckc 2. 4. 1692

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Christian Maximilian 19 , wird so wol meine lfiebej haußfrau 20 davon reden, 45 und wegen des eußerlichen anstalt machen 21 , alß will sie hiemit in geliebten bruders liebreiche auffsicht und anweisung hertzlich empfohlen, und darum brüderlich gebeten haben, darin eine der größesten wolthaten, so mir er­zeigt werden könte, erkennende: in dem ich vor den meinigen nichts mehr verlange, alß das sie nur wahrhafftig kinder Gottes sein u. bleiben mögen, 50 im übrigen gehe es ihnen, wie es des Himmlischen Vaters weißheit über sie zu bestimmen beliebet: deswegen aber was zu jenem zweck dienet, von mir billich allem übrigen vorgezogen wird.

Die göttliche Vorsorge vor Herrn Weidenhayn 22 und deßen neuer beruff 23 freuet mich von hertzen: der Herr Herr setze ihn zu vielem segen. Von dem 55 Knäblein von 7 jähren 24 wünschte gar sehr außführlichere nachricht. In (Dol­berg in Pommern hat sich auch ein wunderbarer casus an einem mägdlein von 14 jähren 25 begeben, so 4 wochen nichts naßes hinab bringen könen, und es tag [und nacht (?)] weder gegeßen noch getruncken: aber 4 oder 5 tag vorher, ehe die kahle sich wider geöffnet die stunde angezeigt: sodann auch, da sie 60 die äugen wider gebrauchen könen, weil sie auch eine weil das gesicht ver- lohren. Bezeuget große freudigkeit, und den Herrn Jesum zu sehen, der ihr eine krohn zeige. Man meinet, es seye etwas dabey zauberisches vorgegangen, wie dann eine frau 26 darüber verhafft ist: sie ruffet u. bittet offt, Gott wolle wo das weib unschuldig, ihre Unschuld offenbahren, wo sie aber schuldig, ihr 65 wahre erkantnus u. büß verleyhen.

Wegen Herrn D. Breithaupts 27 brieff 28 habe noch mit Herrn Cammer Rath Krauten 29 zu sprechen nicht kommen könen, hoffe es aber ehestens. Indeßen bitte in gedult zu stehen, und nichts zu übereylen. Wo Gott zu einigen vor- seyenden consiliis gnade und success verleyhet, so hoffe das vieles leichter 70 werden solle, so sich jetzt nicht effectuiren läßet, sondern auch einige conatus zuweilen, da es noch nicht zeit, mehreres würden verderben. Wie es den

57 /in Pommern/. 59 [und nacht(?)]: cj (Wörter fehlen). 60 /die stunde(?) ( stunden(?)/. 60 /angezeigt?)/. 63 /dabey/. 65 schuldig ( unschuldig. 72 /würden/.

19 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

20 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).

21 Frau Spener wollte nach Halle reisen, um den Aufenthalt ihrer Söhne zu regeln (s. Brief Nr. 24, Z. 36-39 und Anm. 16).

22 Caspar Johann Weidenhain (s. Brief Nr. 24, Anm. 18).

23 Weidenhain war als Hofprediger und Prinzenerzieher nach Weimar berufen worden (s. Brief Nr. 24, Anm. 18).

24 Ein Magdeburger Junge, dessen Visionen Francke am 22.3.1692 erwähnt hatte (s. Brief Nr. 24, Z. 54-57).

25 Nicht ermittelt.

26 Nicht ermittelt.

27 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

28 Nicht überliefert.

2 ' J Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).